Skriptum:Bildungspsychologie I (Wirth Joachim)

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25.4.2010
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Inhaltsverzeichnis

Welche Ableitungen von Hypothesen sind Ihnen bei den Untersuchungsabschnitten bekannt?

1. Zusammenhangshypothese (Wenn-Dann)
Zwischen den Merkmalen x und y besteht ein Zusammenhang
Hypothese über einen ungerichteten Zusammenhang

2. Unterschiedshypothese (Weil-Deshalb)
Eine Variable hat Einfluss auf eine abhängige Variable
Hypothese über einen gerichteten Zusammenhang

Was versteht man unter Operationalisierung der Variablen?

Standardisierung eines Konstrukts durch die Angabe des Verhaltens, das zur Erfassung des
Konstrukts notwendig ist, oder das die Ausprägung des Konstrukts anzeigt (Indikatoren).

Wann ist ein Test objektiv?

Wenn er unabhängig vom Testenden misst.

Wann ist ein Test valide?

Wenn er das misst, was er messen soll.

Wann ist ein Test reliabel?

Wenn er das, was er misst, zuverlässig und fehlerfrei misst.

Was versteht man unter Korrelationsuntersuchung?

Erhebung mehrerer Variablen
- pro Person
- zu demselben Zeitpunkt
Messung eines ungerichteten Zusammenhangs zwischen den Variablen
Korrelationen erlauben keine kausalen Schlüsse

Was zeichnet ein Experiment aus?

Bestimmte Bedingungen werden systematisch variiert (Stufen der UV)
Zufällige Zuordnung von Personen zu den Stufen der UV
Der Effekt auf ein bestimmtes Verhalten wird beobachtet (AV)
Gerichteter Zusammenhang zwischen UV auf AV
Unterschiede zwischen Bedingungen erlauben kausale Schlüsse

Was ist Psychologie?

Die empirische Wissenschaft zur Beschreibung, Erklärung und Vorhersage des Erlebens und
Verhaltens des Menschen, deren Entwicklung in der Lebensspanne sowie deren inneren und
äußeren Ursachen und Bedingungen.

Welche Bildungskomponenten gibt es nach Dorsch?

Materiale Bildung
Kenntnisse im Sinne historischen, kulturellen und politischen Wissens

Formale Bildung
Entwicklung von Fähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten

Psychologische Definition:
Verfügen über Verhaltensweisen und Einstellungen, um Leistungen hervorzubringen
sowie Veränderungen herbeizuführen

Welche 3 Perspektiven der Bildung gibt es? (Spiel & Reimann)

7 normative Maßstäbe
- Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit
- Wahrnehmung von Glück
- Fähigkeit und Wille, sich zu verständigen
- Bewusstsein von der Geschichtlichkeit der eigenen Existenz
- Wachheit für letzte Fragen
- Bereitschaft für Selbstverantwortung
- Verantwortung in der res publica

3 Komponenten
- kulturelle Fähigkeiten
- verfügbare Wissensbestände
- kommunikative Kompetenzen und Ausstrahlung

3 schulische Bildungsziele
- kulturelle Basiskompetenzen
- Orientierungswissen in zentralen kulturellen Wissensbereichen
- sozial-kognitive und soziale Kompetenzen

Welche Bildungskomponenten gibt es? (Spiel & Reimann)

Produkt:
- Axiom I
Die Bildung eines Individuums ist die idiosynkratische Ausprägung und
Konstellation der Bildungskomponenten
- Axiom II
Die Bildungskomponenten sind die Zeitdimensionen des in einer Gesellschaft
stattfindenden Bildungsgeschehens in seiner Gesamtheit

Prozess:
- Axiom III
Ein Bildungsprozess ist ein individuumspezifischer Prozess, der eine oder
mehrere Bildungskomponenten fördert.
- Axiom IV

Alle Aktivitäten und Anreize, die nicht vom sich bildenden Individuum
ausgehen, sind Maßnahmen, um einen Bildungsprozess zu initialisieren,
aufrechtzuerhalten, zu unterstützen und/oder zu optimieren.

Was ist Bildungspsychologie?

Die empirische Wissenschaft zur Beschreibung, Erklärung und Vorhersage von Bildung des
Menschen (sowohl als Prozess als auch als Produkt), ihrer Entwicklung in der Lebensspanne,
sowie der inneren und äußeren Ursachen und Bedingungen von Bildung. Dabei zählen zur
Bildung Komponenten des Wissens, des Denkens und der Kommunikation.

Was beinhaltet der Gegenstand der Bildungspsychologie?

Bildungspsychologie befasst sich mit Bildungsprozessen sowie mit den Bedingungen und
Maßnahmen, die Bildungsprozesse beeinflussen können.
Diese Bedingungen und Maßnahmen betreffen:
- verschiedene altersspezifische Bildungsphasen eines Individuums
- erfordern unterscheidbare Aufgabenbereiche i.S. konkreter Tätigkeiten
- bewegen sich auf unterschiedliche Handlungs- und Abstraktionsebenen

Erklären Sie klassisches Konditionieren, operantes Konditionieren und Beobachtungslernen jeweils an einem Beispiel.

Klassisches Konditionieren - Pawlow und seine Hunde
Unkonditionierter Stimulus: Futter ---------> Unkonditionierte Reaktion: Speichel
Neutraler Stimulus: Licht ---------> Orientierungsreaktion: Ohren aufstellen
Konditionierter Stimulus: Licht ---------> Konditionierte Reaktion: Speichel

Operantes Konditionieren - Skinner und seine Ratten
Verhalten kann verstärkt oder unterdrückt werden. Je nach Wunsch sollte man Verhalten
belohnen oder bestrafen.
Am Beispiel der Ratten:
War das Verhalten erwünscht, wird Futter gegeben. Bei schlechtem Verhalten werden
Stromstöße erteilt.

Beobachtungslernen
Ein Verhalten wird beobachtet und nachgeahmt. Es ist einmalig und no-trial. Man kann
damit Verhalten auslösen und hemmen.

Was bedeutet Generalisieren von konditionierten Reizen? Erklären Sie anhand eines Beispiels.

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Was hat es mit Watson Little Albert Study auf sich?

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Was untersucht der Gegenstandsbereich der pädagogischen Psychologie?

Sie untersucht die Prozesse und Bedingungen der psychischen Veränderung in
pädagogischen Situationen die längerfristig Einfluss auf individuelle
Persönlichkeitsentwicklung bei Heranwachsenden bzw. Lernenden haben.

Was ist bei einer lernenden Person wesentlich?

Kognitive Bedingungen:
Intelligenz, Kognitive Kapazitäten, Vorwissen, Strategien, Attributionen

Motivationale Bedingungen:
Selbstkonzept, Interesse, Lern- vs. Leistungsorientierung, Selbstwirksamkeitsüberzeugung

Emotionale Bedingungen:
Angst, Überraschung, extreme Hilflosigkeit

Was ist bei einer lehrenden Person wesentlich?

Außerschulische Bildung:
Eltern, Peers, unprofessionelle Maßnahmen

Hochschulische Bildung:
Lehrende an Schulen, Hochschulen, Erfüllen von Lernfunktionen

Berufliche Bildung:
Vorgesetzte, Trainer, Erfüllen von Lernfunktionen

Virtuelle Bildung:
Newsgroups, Experts, Materiale Bildung

Was ist bei Medien wesentlich?

Lehrtexte:
lineare vs. non-lineare Texte

Visualisierungsmedien:
Bilder, Animationen, Filme

Multimediale Lernumgebungen:
Multimedia-Prinzipien
Statische vs. interaktive Medien
Transiente Medien

Was ist bei der Umwelt wesentlich?

Pädagogisch-arrangierte Lernumwelten:
Bildungssysteme, Schulkultur, Ausstattung, Klasse, Seminargruppe, Unterricht, CBT/CBL

Natürliche Lernumwelten:
Kultur, Stadt-Land, Sozioökonomischer Status, Kinderzimmer

Welche Ziele haben Lehrfunktionen vor Augen?
- Effekte, die Lehre erzielen soll
- präskriptives Modell
- Zahlreiche Methoden, einen bestimmten Effekt zu erzielen
- Zahlreiche Effekte, die mit einer Methode erzielt werden

Welche Lehrfunktionen gibt es?

- Motivation
- Information
- Informationsverarbeitung
- Speichern und Abruf
- Transfer

Welche wichtigen Punkte sind bei Lehrstrategien zu beachten?

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Welche bedeutenden Mittel gibt es bei Lehrstrategien?

  • Steuerung lehrzieladäquater Lernprozesse
  • Unterscheidung nach:
- Ausmaß der Fremd- bzw. Selbstbestimmtheit des Lerners
- Anforderungen an den Lerner

Welche Lehrmethoden gibt es?

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Was sind direkte Instruktionen?

weitgehend durch den Lehrenden vorgeplant und gesteuert

  • wirksam bei Gewährleistung von:
- Motivation
- Sinvolle Orientierung, Aufmkersamkeit
- Verstehen
- Festigung des Lernerfolgs
- Optimale Nutzung von Lernressourcen
  • Besonders geeignet bei:
- jüngeren Schülern
- leistungsschwachen Schülern
- Schülern mit geringem Vorwissen
  • Gefahr:
- Motivationsverlust

Was bedeutet kooperatives Lernen?

Aufteilung der Steuerung zwischen Lehrendem und Lernenden

  • wirksam bei Gewährleistung von:
- Fähigkeit der Lernenden zu kooperativem Lernen
- Besonders geeignet bei:
- leistungsheterogener Zusammensetzung der Klasse
  • Gefahr:
- Überforderung der Lernenden
- Social loafing (Trittbrettfahren)
- Gruppendynamik

Was versteht man unter entdeckenlassendes Lernen?

Lernumgebung durch Lehrenden vorgeplant, Steuerung des Lernprozesses durch den Lerner

  • wirksam bei Gewährleistung von:
- notwendigen Vorkenntnissen
- notwendiger Involviertheit
  • besonders geeignet:
- um subjektive Bedeutsamkeit des Erlernten zu erhöhen
- vielfältige Verknüpfung mit Vorwissen zu erreichen
- bei angemessener Motivation
  • Gefahr:
- Überforderung des Lernenden

Was sind offene Unterrichtsformen?

weitgehend durch den Lernenden vorgeplant und gesteuert

  • wirksam bei Gewährleistung von:
- geeignetem Arbeitsmaterial
- Kommunikation zwischen den Lernenden
- Hilfe und Beratung durch den Lehrenden


  • besonders geeignet:
- für die Überwindung der Lebensferne traditionellen Unterrichts
- für die Förderung von Kreativität und Eigenengagement
  • Gefahr:
- Überforderung des Lernenden
- Überforderung des Lehrenden
- Fehlende Systematik des Wissens und Könnens aufgrund gewisser Beliebigkeit der
Lerninhalte

Wie setzt sich Motivation zusammen?

- Interesse
- intrinsische Motivation
- extrinsische Motivation
- Selbstkonzept

Definieren Sie Interesse.

Interesse ist die Beziehung einer Person zu einem Gegenstand
Interesse ergibt sich aus der Interaktion zwischen Person und Gegenstand
Interesse ist eine Erlebensqualität
Interesse ist kein stabiles Persönlichkeitsmerkmal

Was besagt das Stufenmodell von Todt?

Art und Richtung an einem Gegenstand sind durch seine jeweilige Funktion im
Gesamtkontext der Entwicklung bestimmt.

3 Stufen:
- Universelle Interessen (Frühe Kindheit)
- Kollektive Interessen (späte Kindheit, frühe Jugend)
- Allgemeine Interessen (späte Jugend, Erwachsenenalter)
Erklärung für abnehmende Interessen an Schulfächern
Keine Erklärung für Entstehung von gegenstandsspezifischen Interessen

Was sind emotionale Erlebensqualitäten?

Interaktion mit einem Gegenstand führt ur Befriedigung psychologischer Bedürfnisse

Bedürfnis nach Kompetenz:
Natürliches Bestreben eines Individuums, sich als handlungsfähig zu erleben

Bedürfnis nach Autonomie:
Natürliches Bestreben eines Individuums, sich als eigenständiges Zentrum der
Handlung zu erleben

Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit:
Natürliches Bestreben eines Individuums nach befriedigenden Sozialkontakten

Was versteht man unter intrinsische Motivation?

Wunsch oder Absicht, eine bestimmte Handlung durchzuführen, weil die Handlung selbst
als interessant, spannend, herausfordernd erscheint.
Gründe für die Durchführung der Handlung liegen in der Handlung selbst

Tätigkeitspezifische intrinsische Motivation:
Die Aktivitäten, die mit der Handlung verbunden sind, motivieren.

Gegenstandsspezifische intrinsische Motivation:
Der Gegenstand, mit dem man sich in der Handlung beschäftigt, motiviert.

Was ist das Flow-Erleben?

Flow-Erleben (Gefühl des völligen Aufgehens in der Handlung)
Verschmelzen mit der Handlung
Zentrierung der Aufmerksamkeit
Selbstvergessenheit
Ausüben von Kontrolle über Handlung und Umwelt

Bedingungen für das Auftreten von Flow-Erleben:
Anforderungen und Fähigkeiten
Völlige Klarheit über Handlungsschritte und Feedback
Eng umgrenztes Handlungsfeld

Was versteht man unter extrinsischer Motivation?

Wunsch oder Absicht, eine bestimmte Handlung durchzuführen, weil damit positive Folgen
herbeigeführt oder negative Folgen vermieden werden.
Gründe für die Durchführung der Handlung liegen außerhalb der Handlung selbst.

Unterscheidung von:
Sozialer Motivation
Kompetenzmotivation
Wettbewerbsmotivation
Berufsmotivation
Leistungsmotivation

Entwicklung extrinsischer Motivation als Prozess der Internalisierung:
Vorstufe: externe Regulation
1. Stufe: introjizierte Regulation
2. Stufe: identifizierte Regulation
3. Stufe: integrierte Regulation

Was ist das akademische Selbstkonzept?

Generalisierte fachspezifische Fähigkeitseinschätzungen, die aufgrund von
Kompetenzerfahrungen in Schulfächern erworben werden. Sie sind geprägt durch die
Urteile signifikanter Anderer, durch konkrete Rückmeldungen und zugehörige
Kausalattributionen.

Was besagt der big fish little pond effect?

???

Was sind Kausalattributionen?

Kausalattribution ist Ursachenzuschreibung
- auf Personenmerkmale
- auf Situationsmerkmale

Ursachen:
- Distinktheit
- Konsensus
- Konsistenz
- Personeneigenschaft als Ursache

Was besagt die Trainingsstudie nach Leutner, Barthel und Schreiber 2001?

???

Wann hilft Vorwissen und wieso?

Selektion
Vorwissen dient als Gerüst, dessen Leerstellen gefüllt werden müssen

Enkodierung:
Vorwissen dient als Gerüst, in das Informationen integriert werden (Chunks)

Speicherung:
Neue Informationen werden geordnet und ihnen wird Sinn zugeordnet

Abruf:
Vorwissen dient als Abrufhilfe (Assoziationen)

Motivation:
Vorwissen erhöht Motivation (Kompetenzbedürfnis)

Wann hilft Vorwissen nicht und wieso?

Kompartmentalisierung:
130 Schülerinnen und Schüler fahren zum Picknick. Jeder Schulbus hat 50 Plätze.
Wie viele Busse werden benötigt?

Naive Konzepte:
Fehlkonzepte sind mit Alltagserfahrungen vereinbar
Fehlkonzepte steuern die Wahrnehmung und Interpretation neuer Informationen
Fehlkonzepte sind oftmals eingebettet in persönliche Rahmentheorien

Wie kann man Vorwissen aktivieren?

Offene Vorwissensaktivierung:
Mapping-Verfahren
Erfahrungsberichte
Generieren von Fragen, Hypothesen, Erklärungen

Fokussierte Vorwissensaktivierung:
Advance Organizer
Beispiele, Falldarstellungen
Analogien

Erklären Sie die Speicherungseigenschaften des sensorischen Kurzzeitspeichers, des Arbeitsgedächtnisses und des Langzeitgedächtnisses.

Sensorischer Kurzzeitspeicher:
Bewusstheit: vorbewusst
Kapazität: sehr groß - unbegrenzt
Halbwertszeit: 1/4 ? 2 Sec.
Vergessen: Verfall

Arbeitsgedächtnis:
Bewusstheit: bewusst
Kapazität: begrenzt
Halbwertszeit: bis zu 30 Sek.
Vergessen: Verfall, Ersatz, Interferenz

Langzeitgedächtnis:
Bewusstheit: bewusst/automatisiert
Kapazität: unbegrenzt
Halbwertszeit: bis zu lebenslang
Vergessen: Zugriffsverlust

Nennen Sie die wesentlichen Bestandteile des 3-Speicher-Modells

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