Skriptum:Biologie und Ethik - Argumente, Richtungen, Streitpunkte (Wuketits Franz)
Aus Skriptenforum.net
Inhaltsverzeichnis |
VO 7.10.2009
Gedankenexperiment: was wenn man 10000 Euro findet, niemand hat gesehen, kein Hinweis auf Eigentümer. Was tun damit?
Was wenn es sich 1 Mio. handelt?
wir sind ständig mit moralischen Fragen konfrontiert
Soll Arzt einem Patienten offenbaren, dass er nur mehr 6 Monate zu leben hat?
--> schwierige Frage… hängt vom Patienten ab… etc.
es gibt Argumente dafür und dagegen
Wir können moralische Fragen und Antworten nicht im Vorhinein für jede erdenkliche Situation vorherbestimmen, es hängt alles von der Situation ab - das ist die Meinung von Wuketits.
4 Prüfungstermine:
2 Termine Ende Jänner/Anfang Februar
2 Termine zu Beginn des SoSe im März
Wuketits unterscheidet ganz klar zw. Moral und Ethik
* Moral: Moralisch oder nicht kann nur eine Handlung sein
* Ethik ist die philosophische Disziplin (auch Moralphilosophie)
"Ethisches" oder "unethisches" Verhalten kann man eigentlich nicht sagen, sondern nur moralisches und unmoralisches Verhalten.
Auf jeden Fall ist Ethik ein Teilgebiet der praktischen Philosophie, ist eine der wichtigsten/oder die wichtigste phil. Disziplin überhaupt…
Aristoteles Nikomachische Ethik ist gut ersonnen, er wusste aber nix von Umwelt, Medizin etc.
Die sich laufend ändernde kulturelle Situation erzwingt es, sich Dinge neu zu überlegen.
Kategorischer Imperativ reicht nicht immer? (Klo: Bitte verlassen sie die Toiletten so wie sie sie gerne vorfinden würden – ist kategorischer Imperativ in action!)
Kann es allgemeine Moralprinzipien geben?
aufgrund der zunehmenden Komplexität haben sich viele Ethik Spezialdisziplinen herausgebildet
z. B. Wissenschaftsethik, Wirtschaftsethik
Hier werden wir uns mit 4 Richtungen beschäftigen
1. Evolutionäre Ethik: Die Frage woher kommt überhaupt unser moralisches Empfinden
2. Ökologische Ethik: Verpflichtungen ggü. unserer Umwelt
3. Medizinische Ethik: Z. B. Soll Arzt immer die Wahrheit sagen, Sterbehilfe, etc.
4. Tierethik: Verpflichtungen unseren Mitgeschöpfen gegenüber
erst im 19. Jh. wurden ethische Fragen ausgeweitet auf nichtmenschliche Lebewesen.
ad 1.: Woher kommt überhaupt unsere Moral?
Wir machen was wir wollen? Und schauen wie weit wir damit kommen… das ist nicht befriedigend
1. es gibt keine Gesellschaft, die keinen Moralkodex entwickelt hat, irgendwelche Vorstellungen etc.
sogar Verbrecher haben einen Moralkodex, z. B. Ehrenkodex der Mafia
nicht einmal ein Briefmarkenclub, auch hier gibt es moralische Regeln, Mensch sucht also immer nach solchen Regelungen
2. Beobachtung: wer alt genug geworden ist und behauptet er habe sich sein ganzes Leben moralisch verhalten, dem glaubt Wuketits nicht. Jeder handelt in jeder Situation unterschiedlich. Jemand der hungert, wird moralische Prinzipien bei der Nahrungsbeschaffung vielleicht weniger strikt einhalten
3. Beobachtung: es gibt keine Gesellschaft wo immer alle, alle Regeln befolgen.
Einerseits soll also Moral generell sein, andererseits halten sich die Menschen nicht dran.
Moral: Wuketits definiert Moral strikt funktional (Def. muss man nicht übernehmen…)
Moral ist die "Summe aller Regeln einschließlich Wertvorstellungen und Normen innerhalb einer bestimmten Gesellschaft, die den Zweck hat, diese Gesellschaft aufrechtzuerhalten."
Was machen, wenn die soziale Ordnung von jemand wie Hitler vorgegeben wird?
Moral innerhalb einer Sozietät: ob gut oder schlecht ist eine zweite Frage
Kooperation, gegenseitige Hilfe: Mensch ist von Natur aus ein soziales Wesen
hat über Jahrmillionen in kleinen Gruppen gelebt (20, 30, bis 50 Individuen)
so haben sich bestimmte Verhaltensprinzipien herausgebildet
damit die Gruppe nicht auseinanderfällt (weil das zum Vorteil des Individuums war)
ist das moralisch? oder einfach damit man besser überlebt?
Citybikes: Wuketits hätte schon vorher gewusst dass es nicht funktionieren würde…
0:41:00
Moral sei also zurückführbar auf Notwendigkeit des Zusammenhalts in kleinen Gruppen
Ethik entstand ja erst im Altertum (Antike)
davor hat jeder einfach gehandelt
Dinge, die wir haben:
1. Gewissen: jeder Mensch hat das, ist das evolutionär bedingt?
2. Mitgefühl, Empathie: wir sind fähig, uns in andere Menschen hineinzuversetzen
sind psychologische Phänomene die sich entwickelt haben
wir können sie ausdehnen auch außerhalb der eigenen kleinen "Sympathiegruppe"
erst mit dem Sesshaftwerden vor 15000-20000 Jahren wurden größere Siedlungen errichtet
Geschichte, dass bei Moralkonferenz viele die Getränke nicht bezahlt haben…
Wuketits hat empfohlen einen Automaten hinzustellen…
Wuketits meint bei allem was wir tun haben wir unser eigenes Wohlbefinden im Auge
Frage, ob Gewissen = innere Stimme…
Dauerhaft absolut selbstloses Verhalten ist die seltenste Handlungsform unserer Spezies, wenn nicht überhaupt nichtexistent.
Was ist mit Mutter Teresa, etc.? Naja, die hat ja auch was davon…
Religionsstifter erwarten sich auch eine Belohnung etc. (wenn auch im Jenseits)
Wenn man Kind aus Donau rettet hat man nachher sehr viel davon. Kommt in Nachrichten, bekommt Belohnung, etc.
Moralisch besonders edles Verhalten wird oft besonders hervorgehoben. Warum? Weil es eben so selten ist!
VO 21.10.2009
(14.10. ausgefallen)
Wh:
Moral existiert in jeder Kultur, aber was moralisch richtig und falsch ist, variiert.
niemand haltet sich ganz konsequent immer an seine Moral
es gibt immer wieder Leute, die sich nicht an moralische Vorgaben halten
So wie es biologische Grenzen beim Menschen gibt, gibt es auch grenzen der Moralfähigkeit eines Menschen
Definition von Moral (funktionale Definition)
Neuer Stoff:
Mensch ist im Gesamten ein Evolutionsprodukt, deshalb ist auch unser moralisches Verhalten ein Evolutionsprodukt.
--> das ist Ausgangspunkt der evolutionären Ethik
1. Position: Thomas Henry Huxley (Mitstreiter Darwins) hat gemeint Moral kommt aus der Evolution, aber hat die Aufgabe "gegen die Evolution zu sein", i.e. das "Böse in uns zu bekämpfen".
2. Position: Darwin hat andere Position: er meint, dass der Mensch mit Sozialinstinkten ausgestattet ist, und das wird sich im Laufe der Zeit immer verstärken. Deshalb wird die Tugend siegen. Wir werden auch anderen Lebewesen gegenüber immer "sozialer". Darwin war somit auch Vorläufer der Tierethik.
3. Position: Julian Huxley (Bruder von Aldous Huxley, Enkel von Thomas Huxley!): Wir haben Verantwortung, Treuhänder der Evolution, ist Vertreter (Gründer?) des evolutionären Humanismus.
4. Position: Sozialdarwinismus. Ideologie, die davon ausgeht dass wir die Natur als Vorbild nehmen können (Darwinismus hat mit Sozialdarwinismus so viel zu tun wie Astronomie mit Astrologie).
Natur ist moralisch indifferent, es gibt kein Gut und Böse in der Natur. (Natur als Vorbild ist sinnlos, Beispiel Vegetarismus, Homosexualität). Natur kennt nur Überlebensstrategien, die jenseits von Moral angesiedelt sind. Jede Ableitung von Moral aus der Natur ist ein naturalistischer Fehlschluss (Schluss von Sein auf Soll).
--> 4. Pos offenkundig blödsinnig…
1. Pos: Hobbes hat gesagt "homo homini lupus est…" (biologisch sowieso blödsinnig weil Wolf ein hochsoziales Tier ist), also ursprünglich war jede gegen jeden…
außerdem: wenn es so gewesen wäre, wären wir heute wohl nicht mehr hier…
2. Pos leider auch nicht sehr realistisch, Weltkriege, etc.
Malthus: Ressourcenverknappung, dzt. leiden 850 Mio. Menschen an Unterernährung
im Lichte der derzeitigen Situation ist der Trend Darwins nicht beobachtbar
unsere Sympathien für nichtmenschliche Lebewesen sind sehr begrenzt…
es gibt 4 Mio. Tierarten
nur 45000 Arten Wirbeltiere, die sind uns aber auch nur zum Teil sympathisch
Ehrfurcht vor Anopheles Mücke?
3. Pos: auch etwas zu romantisch gedacht. Die Evolution bedarf keines Treuhänders, sie spielt sich jenseits von Gut und Böse ab. Arten sterben ständig aus und entstehen.
--> alle Positionen haben Schwachstellen, keine Basis für Moral.
? Vogel: "In der Natur gibt es keine Moral aber in unserer Moral steckt viel Natur."
Wenn jemand sagt wir dürften nur mehr 2 Stunden pro Tag schlafen damit wir mehr Zeit haben anderen zu helfen, dann wäre das vielleicht moralisch argumentierbar, aber sinnlos weil gegen die Biologie. Auch Zölibat etc. ist von dieser Sorte, also unsinnig, gegen Biologie.
Was ist, wenn man bei VO auf den Tisch steigt? Wenn jemand aus dem Publikum aufsteht und 3x den Referenten umkreist? Gegen diese Dinge gibt es keine Gesetze, nicht verboten, aber man "tut es nicht". Warum? Sitten, Konventionen? Nicht moralisch gut oder schlecht.
Rechtssysteme: müssen nicht mit Moral ident sein.
Ein Richter hätte gesagt: "Gnädige Frau, Recht hat mit Gerechtigkeit nichts zu tun - vom Richter bekamen sie nicht Gerechtigkeit, sondern ein Urteil."
Werte und Normen
Werte sind abstrakter, abhängig von subjektiven Anschauungen.
Normen sind konkreter und allgemeiner.
"Was ist Wasser wert?" merken wir erst wenn wir verdursten.
Aus der Natur kann man keine Normen und Werte ableiten (wäre nat. Fehlschluss), man kann aber keine Normen und Werte ohne unsere Natur zu berücksichtigen, ableiten (das wäre sog. kontranaturalistischer Fehlschluss).
Kant: Was soll ich tun? Zuerst Frage voranstellen: Was kann ich überhaupt tun?
Universelle Werte, "Weltethos"
Moralsystem für alle Menschen, egal wo, egal ob Jäger oder Sammler oder Großstadtbewohner,… nicht realistisch…
aber Minimalansatz möglich?
z.B. gegen Todesstrafe? alle Kriege müssen abgeschafft werden?
wäre realistische Form?
==
In der Natur gibt es keine Moral
aber wir können unsere Natur nicht vergessen
Wuketits vertritt evolutionäre Moral
Idealisierungen funktionieren in der Praxis nicht
wir müssen ohne den naturalistischen Fehlschluss zu begehen unsere Natur nicht vergessen (wie im Idealismus?)
Heute: Willensfreiheit
Schuldfähigkeit?
Was wäre ein völlig autonomer freier Wille?
wäre eine Entscheidung die man völlig unabhängig von inneren Motiven und äußeren Umständen --> geht nicht? Im strikten Sinn gibt es keine völlig autonome freie Entscheidung, nicht mitgetragen von Biographie
im Alltag irrelevant
Warum ist Wuketits jetzt hier? Warum nicht im Caféhaus, etc.?
(Demo kommt in HS "solidarisieren, mitmarschieren", aber niemand geht mit…)
--> freie Entscheidung?
Beispiel Autokauf: Man wägt ab, vergleicht, etc. dann entscheidet man: OB, kaufe einen XXX.
Nach einem Jahr kommt man drauf: lauter Pannen, etc. man kommt drauf war es keine gute Entscheidung (Vergleich mit Heirat-Scheidung?)
Wir entscheiden uns im Augenblick der Entscheidung immer richtig. Im Nachhinein kann sich aber auch die rationalste Entscheidung als falsch herausstellen.
komplexe Entscheidungen, auch wenn rational, können immer falsch sein.
man trifft einen alten Bekannten – und bleibt stehen
man geht an einer interessanten Auslage vorbei – und bleibt stehen
Wir tragen die Bürde der Stammesgeschichte mit uns herum.
Wir tragen die Bürde der eigenen Biographie mit uns herum.
Freud: Man stelle sich vor: Rom heute, aber mit den alten Römern. So tragen wir unsere Geschichte herum.
--> Der Affe in uns ist immer noch da.
Keiner kann seine Gedanken wirklich bewusst steuern: plötzlich erinnern wir uns an was… (es kommt uns was in den Sinn)
Willensfreiheit ist in der Abendländischen Philo
Idee der Willensfreiheit ist eine schöne Illusion (genauso wie Religion, Leben nach dem Tod, Aberglaube,…)
aber die Illusion hat einen Sinn
in der Evolution setzt sich nur durch was einen Sinn hat, hat also eine Nützlichkeit
"The Median isn't the message." Stephen Jay Gould
Erkrankung mit Prognose 8 Monate, lebte noch >20 Jahre
Steinzeitmensch kommt plötzlich auf die Idee: "ICH habe diese Tier erlegt. ICH kann das!"
"Du kannst es wenn du nur willst"
Auch heute noch: Es befriedigt uns, wenn uns was gelingt.
schon sehr früh empfanden wir Erfolge als angenehm – deshalb auch heute noch!
Sau nicht willensfrei? auch nicht schuldfähig?
Differenzierung Mensch/Tier
Neurobiologie
Libet Experimente…
Wenn jemand Revolver hat und abdrückt ist die Entscheidung schon vorher getroffen?
Willen haben wir natürlich, es geht um den freien Willen
Es gibt Gehirnkrankheiten, die Menschen bei gewissen Entscheidungen in eine Richtung drängen
Wenn Hitler erfolgreicher Künstler geworden wäre, wäre 2. Weltkrieg verhindert worden?
Gerhard Roth meint, Hitler war ein Psychopath, Soziopath, er hätte auf jeden Fall seinen Phantasien ausgelebt (determiniert durch sein Gehirn…)
Nun: Wenn es keine freien Willen gibt, dann fällt ja das ganze Rechtssystem!? Das beruht ja alles auf dem freien Willen!?
Wuketits meint nein! Wir brauchen die Idee des freien Willens nicht, um eine Sozietät funktionsfähig zu halten.
Die allermeisten Menschen wollen leben und überleben – wir können aus rein pragmatischen Gründen ein Prinzip ableiten: niemanden darf körperlicher Schaden zugeführt werden.
Die Evolution hat uns Gewissen angezüchtet, genauso Reue
Aber es gibt Menschen ohne Gewissen und Reue (siehe 3. Reich,…)
- Schindler: unter Gefahr für das eigenen Leben andere Menschen gerettet
* 1942: Junge, der Filzpantoffel von der Wehrmacht gestohlen hat --> Richter hat Todesstrafe angeordnet (Gnade wurde gewährt und "nur" zu 7 Jahren Arbeitslager verurteilt…)
--> das sind 2 Extreme
2 Neigungen: Dominanz + Unterwürfigkeit
beides kann sich in manchen Situationen als vorteilhaft erweisen
Freiheit ist gefühlte Absenz von Zwang
Kinder in Gaza Streifen, indoktriniert mit Feindbildern, Entwicklung ist vorhersagbar.
Als Individuen leben wir in Gemeinschaften. Durch Nichtexistenz von freien Willen fallen nicht alle Regeln in Gemeinschaften.
VO 4.11.2009
Letztes Mal: Willensfreiheit nicht nötig, um moralische Entscheidungen zu treffen
Es gibt unterschiedliche Grundeinstellungen zur Ethik
1. Utilitarismus: größtmögliches Glück/Nützlichkeit für alle
2. individualistischer Utilitarismus (=Egoismus): Hauptsache ich soll Nutzen haben
3. Gruppenutilitarismus: Nutzen der Gruppe (z.B. der Staat)
4. Gefühlsmoralismus: das Handeln soll durch die eigenen Emotionen geleitet werden (keine fixen Regeln, so wie ich mich gerade fühle)
5. Altruismus: "ich möchte helfen", andere Menschen bedingungslos unterstützen
6. Moralischer Absolutismus (auch Rigorismus): Überzeugung es gibt das absolute Gute und absolute Schlechte
7. Religiöser Moralismus: Moralisch richtig ist das was Religionsstifter vorgeben
jede dieser Positionen ist in gewissem Sinne problematisch, eine Menge an Problemen
1. schöne Forderung, ist aber nicht einfach durchzuziehen
2. und 3.: fügt anderen Menschen Schaden zu
4. Emotionen müssen nicht immer richtig sein und können sogar boshaft sein
5. kann auch auf Kosten anderer gehen???
6. absolute Werte gibt es eigentlich nicht, sind relativ, z.B. Lügenverbot, nicht realistisch
7. kann auch viel Unheil bedeuten
der Utilitarismus erweist sich als die noch haltbarste Position
Albert Schweitzer vertrat die These "Ehrfurcht vor allem Leben" (auch Gelsen, Anopheles Mücke, etc.???) Schönes Prinzip aber nicht brauchbar
Bioethik: eigentlich alle Ethik bezieht sich auf Leben! Es gibt keine Ethik der Planeten, Steine, etc.
Begriff wurde aber 1971 geprägt (damals war ökologische Krise). Bioethik bezieht sich sehr umfassend auf das Leben, nicht nur Menschen sondern auch Tiere etc.
Wir haben heute Probleme, die man vorher nicht hatte
Kennzeichen der Bioethik:
1. Bioethik als Überlebenswissenschaft, wichtig "Wissenschaft": ist keine Prinzipienethik
2. wie kann das Wohlbefinden der Lebewesen gesteigert werden
3. Ausweitung auf nichtmenschliche Lebewesen
3 große Teilgebiete der Bioethik
1. Medizinische Ethik
- Sterbehilfe
- Lebensverlängerung
- Geburtenregelung/Abtreibung
- Gentechnik (medizinische Gentechnik, grüne Gentechnik zur Erzeugung neuer Lebewesen z.B. in Landwirtschaft)
- Organtransplantation und –spende (wann ist ein Mensch tot? Herztod oder Hirntod)
Problem unklarer Grenzen: Ein Quadrat hat klare Definition
aber Begriffe wie Leben, Tod, Individuum, Tier, Pflanze etc. sind Konzepte mit fließenden Übergängen – lässt sich nicht so strikt oder mathematisch definieren
2. Tierethik
- Tiere als Personen? Ist ein Gorilla eine Person? Ein Regenwurm? Korallen? die allermeisten Tiere sind wirbellos, die meisten finden wir nicht sehr sympathisch…
- artgerechte Tierhaltung: radikale Position ist, dass man Tiere gar nicht halten darf
3. Ökologische Ethik
- Inwieweit haben wird der belebten Natur gegenüber Verantwortung?
Naturschutz
Biodiversität, Artenvielfalt –inwieweit ist es eine moralische Frage die Millionen von Arten zu erhalten=
oder sollen wir bestimmte Arten unterstützen?
durch aktiven Naturschutz unterstützen wir uns selber
um die Evolution muss man sich keine Sorgen machen, Millionen von Arten sind ausgestorben, bevor der Mensch noch war
warum wollen wir uns jetzt "aufspielen" und die Natur schützen? Um uns selbst zu schützen?
Bevor einzelne Gebiete im Detail behandelt werden, ein paar Begriffe:
1. Würde (Menschenwürde)
in Würde altern, hat sich würdig verhalten, etc.
Brockhaus: Würde ist der innere Wert eines Menschen
was ist innerer Wert? hilft nicht weiter…
wenn jeder Mensch Würde hat? auch Hitler? Kinderschänder? KZ Insassen, hungernde Kinder,…
fällt schwer…
wer hat Würde? Wie muss man handeln, um Würde zu haben? schwierig…
oder ist Würde ein Gattungsmerkmal (für alle Menschen)? Dann wäre es so allgemein dass wieder inhaltsleer
Begriff lieber weglassen, da er nicht wirklich weiterhilft
0:37:30
2. Recht auf Sterben
über Recht auf Leben ist man sich (zumindest beim Menschen) einig
Warum gibt es dann kein Recht auf Sterben, gehört ja zum Leben dazu…
Suizid (Selbstmord oder besser Selbsttötung, Begriff Mord kriminalisiert). In England gab es auf Selbstmord die Todesstrafe! quite absurd…
Ist eine Selbsttötung wirklich eine "freie" Entscheidung (in dem Sinne in dem es noch Freiheit gibt), also ohne äußere Zwänge
Geschichte von Medizinprofessor der sich getötet hat: stand mitten im Leben, Jäger, führte Buch über seine Scheidungsakte ("Ratte" und "Sau" stand auf den Scheidungsakten). Bekam im Alter von 84 Jahren schweres Hüftleiden und hat sich erschossen.
Für Wuketits ist dieser Suizid nachvollziehbar: Wollte sein gewohntes Leben nicht tauschen mit einem Leben im Rollstuhl. Wuketits sagt er hat aus seiner eigenen Sicht richtig gehandelt.
Andere Geschichte: eine 17-jährige in einem Gymnasium hat sich aus Liebeskummer aus höchsten Stock des Gymnasiums gestürzt. Hier meint Wuketits haben wir das Recht (Pflicht), sie davon abzuhalten.
Medizinprof wusste über seine Perspektivenlosigkeit, hatte profunde Kenntnisse, keine Überzeugung möglich.
17-jährige kannte Perspektiven nicht, sie handelte aus Unwissenheit.
Wann soll man sogar beim Suizid helfen? Wuketits meint wenn es Recht auf Leben gibt muss es auch aus Symmetriegründen auch ein Recht auf Sterben geben. Aber: es kann ja jemand, der sich das Leben nimmt, anderen Menschen Schmerz zufügen! Typische Frage nach Suizid: "Warum hat er/sie uns das angetan?" Man fokussiert also oft auf sich selbst, nicht auf die Person.
Wahrscheinlich ist jeder Suizid die Konsequenz von Sinnlosigkeit (Nichterkennen eines Sinnes) Nicht eines letzen Sinnes, sondern irgendeines subjektiv wichtigen Sinnes.
Kosten/Nutzen
Arzt kommt zur Unfallstelle: drei schwer Verletzte, jeder zeitkritisch: wo beginnen?
bei 17 jähriger, 40 jährigen, 80 jährigen,… wenn 80 jähriger eigener Opa,…
moralisches Dilemma
Arzt könnte vielleicht versuchen, ganz objektiv zu entscheiden, wo am schnellsten helfen, etc.
anderes Dilemma: Freund kommt und sagt er hat was angestellt, will sich verstecken: was tun?
Medizinische Ethik
Sterbehilfe (Euthanasie, dieser Begriff ruft Erinnerungen an 3. Reich etc. hervor)
passive Sterbehilfe
aktive Sterbehilfe
(juristische Aspekte werden hier in der VO gar nicht betrachtet)
Wann ist Sterbehilfe geboten?
Geschichte aus 1970er Jahre: Maurer ist von Gerüst gefallen, hat Gesicht verloren, war blind, Geschmacksnerv zerstört, konnte sich nicht artikulieren, etc. Plastische Chirurgen konnte Gesicht teilweise wieder herstellen, konnte sich teilweise sogar wieder artikulieren, und gab ein Zeichen, weiterleben zu wollen! Chirurgen haben also ein Leben unterstützt, was weiterleben wollte. A posteriori ist natürlich leicht zu beantworten.
Wie soll ein Arzt wissen "zahlt es sich aus einzugreifen"?
es gibt auch Fälle wo nach 14 Jahren im Koma jemand aufgewacht ist! Obwohl gegen jede Wahrscheinlichkeit…
Man könnte also argumentieren: Sterbehilfe ist angezeigt (i.e. moralisch gerechtfertigt) wenn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nach Abwägung aller medizinischer Faktoren der oder die nicht mehr zu retten ist und wenn sein/ihr Leben von Leid begleitet ist.
Prinzip der Heiligkeit des Lebens, Ehrfurcht vor dem Leben,… hilft nicht weiter
ist metaphysisch, was heißt das überhaupt, etc.
Wenn Menschen aktiv um Sterbehilfe bitten (jetzt oder im Voraus) ist es eindeutig klar dass der Patient selbst es will ("Patientenverfügung")
aber: Menschen können ja auch Meinung ändern, jemand kommt bewusst auf seinen Irrtum drauf.
Was machen wenn man bei einem Menschen ein extrem labiles Gemüt feststellt, der sowieso ständig seine Meinung ändert…
Wuketits kommt zur Conclusio: Grundsätzlich aus rein moralischen Gründen sollte man Sterbehilfe nicht ablehnen, ist legitim, sollte nicht kriminalisiert werden.
Aber: Wann und ob sie aber angewendet werden soll ist nur unter Abwägung jedes speziellen Falles möglich. ("Das Leben ist kein Quadrat mit klaren Definitionen, sondern immer schwammige Grenzen")
Problematik ist, dass Tod irreversibel ist, Fehler nicht behebbar…
Political Correctness in der Sprache (z.B. Ansage bei Wiener Linien bzgl. Sitzplatzüberlassung…)
VO 11.11.2009
Exkurs zu den aktuellen Protesten:
Studentenmigration soll gefördert werden
aber gleichzeitig soll die Lehre in ganz Europa harmonisiert werden
wozu dann noch migrieren wenn eh überall das gleiche geboten wird?
LV Evaluierung…
Was wäre wenn Darwin oder Kant Drittmittel einfordern hätte müssen? 20 Jahre für Entstehung der Arten? Kant nie ins Ausland… Die waren wohl nicht effizient aus heutigem Sinne…
0:15:00 Beginn Inhalt
Letztes Mal Sterbehilfe, aktiv und passiv
Was heute neu ist: es gibt viele Möglichkeiten Leben zu verlängern
Lebensverlängerung als Leidensverlängerung?
Hippokratischer Eid
Literatur:
* Bioethik Buch von Wuketits
* Peter Singer, "Praktische Ethik"
* Norbert Hoerster (Wikipedia: Norbert Hoerster (* 1937 in Lingen) ist ein deutscher Philosoph, der sich insbesondere mit Fragen der Rechtsphilosophie, Ethik und Religionsphilosophie beschäftigt. Im Bereich der aktiven und passiven Sterbehilfe, beim Umgang mit Embryonen und schwerstgeschädigten Neugeborenen sowie bei der Embryonenforschung vertrat Hoerster ähnliche Positionen wie der australische Ethiker Peter Singer, die in Deutschland zum Teil heftig umstritten sind. Aufgrund dessen war er mit zunehmenden Anfeindungen konfrontiert, die sich 1997 so zuspitzten, dass seine Veranstaltungen gestört und in einigen Fällen sogar unter Polizeischutz gestellt werden mussten. Als Reaktion auf die Proteste gegen seine Thesen zur Bioethik ließ Hoerster sich 1998 vorzeitig pensionieren.)
Singer hat viel Staub aufgewirbelt, wurde in Ö zum Wittgenstein Symposium eingeladen und wieder ausgeladen. Die Fragen, die er aufwirft, wurden/werden tabuisiert. Ist auch kein Diskussionsstil…
Wuketits meint Singers Argumentation nicht schlüssig?
Bei Tieren: Mitleid entscheidet? Warum nicht bei Menschen auch?
Ist Prinzip der Heiligkeit des Lebens eine Scheinheiligkeit? Heuchelei?
Anenzephalie: Kind kommt ohne Gehirn, ohne Sinneswahrnehmung auf die Welt, schreckliche Krankheit…
Wikipedia: Als Anenzephalie oder Anenkephalie (von griech. α privativum und ἐγκέφαλος, enkephalos, „Gehirn“ → „ohne Gehirn“) wird die schwerste Fehlbildung eines Neuralrohrdefekts (NRD) bezeichnet. Sie entsteht vor dem 26. Tag der Schwangerschaft. Bei Kindern mit einem Anenzephalus hat sich die Schädeldecke nicht geschlossen und es fehlen in unterschiedlichem Umfang Teile des knöchernen Schädeldaches, der Hirnhäute, der Kopfhaut und des Gehirns. Das Stammhirn ist lediglich bei einem Viertel der Fälle entwickelt, weiterhin ist die Hypophyse unterentwickelt. Die Lebenserwartung nach der Geburt beträgt lediglich einige Tage.
Lebenserwartung 3 Jahre (???), nimmt nichts wahr
Ist es geboten, dieses Kind auf die Welt kommen zu lassen?
Ist es ein Verbrechen es zuzulassen, dass dieses Kind auf die Welt kommt?
Führt zum nächsten Thema: Geburtenkontrolle
ist sozusagen das Gegenstück zur Sterbehilfe
heute 6,7 Mrd. Menschen, geht weiter…
keine Art hat sich bisher so schnell vermehrt wie unsere Art
darf man hier eingreifen, oder soll man Natur walten lassen?
2 Möglichkeiten der Geburtenkontrolle: Abtreibung und Empfängnisverhütung
Gegen Abtreibung sprechen 2 Dinge:
1.) man verhindert Heranwachsen eines gesunden Embryos (teleologisches Argument, Menschenleben wird abgekürzt bzw. verhindert)
2.) psychische Belastung für Mutter, irreversibel,…
Für Abtreibung könnte man sagen:
es bleibt dem Kind vieles erspart… es hat uns ja keiner gefragt ob wir leben wollen
Voltaire meint aber "es gibt nichts schöneres als zu leben"
in vielen Krisenregionen (Afrika,…) kann man schon vorhersagen wie es Kindern gehen wird wenn sie auf die Welt kommen
Hohn, wenn der Papst dort Empfängnisverhütung verbietet… "vermehret euch", zynischer Imperativ
Abtreibung bis zum 3. Monat straffrei: warum? biologisches Argument, weil da die Sinnesorgane ausgebildet werden, da entwickelt sich "Person" könnte man sagen.
Wann wäre Abtreibung moralisch legitim?
* Wenn nach allen Regeln der medizinischen Kunst dass die Mutter des Kindes die Geburt nicht überleben wird. Was hat Priorität, die Mutter oder das Kind? Die soziale Umgebung der Mutter wird sie mehr vermissen als das ungeborene Kind.
* Gewaltsame Zeugung eines Kindes, i.e. schwanger durch Vergewaltigung.
* Wenn pränatale Diagnostik feststellt dass das Kind Anenzephalie (oder was ähnliches) hat. In diesem Fall kann Mutter entscheiden?
1. Mutter hat Down Syndrom Kind abgetrieben. Hat dann Arzt beschuldigt warum er ihr das gesagt hat.
2. Mutter bekommt Kind mit Down Syndrom und beschuldigt dann Arzt dass er nicht Möglichkeit zur Abtreibung gegeben hat
--> egal was der Gynäkologe macht, es ist "falsch" (oder kann falsch sein)
In den drei oben genannten Fällen könnte man moralisch sagen, dass Abtreibung legitim wäre.
Hypothetisches Beispiel: Eine Frau will auf Winterurlaub fahren
Kommt aber im August drauf, dass sie schwanger ist (und könnte somit nicht im Winter auf Urlaub fahren weil hochschwanger)
Sie antizipiert für sich Wohlbefinden im Winterurlaub und will das Kind deshalb nicht. Ist moralisch gerechtfertigt abzutreiben?
- gesetzlich erlaubt
- wie schlimm ist es wenn Mutter nicht auf Urlaub fährt?
Verkomplizierung: Vater will Kind unbedingt haben
Unrealistisches Beispiel?
In den meisten Fällen wird Frau natürlich gerne Kind bekommen…
Hans Jonas (* 10. Mai 1903 in Mönchengladbach; † 5. Februar 1993 in New York, war ein jüdischer Philosoph deutscher Herkunft.): Hat zwei Arten von Verantwortung unterschieden:
Unkündbar: Verantwortung für Kind ist nicht übertragbar und kündbar
Kündbar: Verantwortung für das Abhalten einer Lehrveranstaltung ist kündbar
dem unkündbaren Typus kann man sich nicht so leicht entziehen…
Mutter, die auf Urlaub fahren will hat eigenes Leben, gewisse Interessen. Ungeborenes Kind hat noch keine Interessen. Man könnte jetzt argumentieren dass die Person mit Interessen Vorrang hat. Jonas würde sagen, wir müssen die möglichen Interessen der interessenslosen Wesen vertreten.
Frau, die mit 68 Jahren Kind bekommen hat: moralisch gerechtfertigt?
Wenn man auf keinen Rigorismus zurückfallen will (oder Gott oder den Papst), und nicht schon im Vorhinein allen Antworten kennen kann, muss man immer mit konkreten Beispielen hantieren. Die Lösungen werden auch immer anecken und manchen werden nicht einverstanden sein. Das liegt in der Natur der Sache, man muss immer "erwägen".
Empfohlene Zeitschrift: Erwägen Wissen Ethik
VO 18.11.2009
Diskussion zur aktuellen Situation (Proteste,…)
Bildung ist nicht Millionenshow…
Vergleich Aufregung um Schweinegrippe und Aufregung um tägliche Hungertote in Afrika
Begriff "Humanressourcen"
Effizienzdenken
Impact Faktor von Publikationen
0:23:30 Beginn Inhalt…
letztes Mal: Geburtenkontrolle, Lebensumstände vieler Menschen auf der Welt sind katastrophal
2 Methoden: Abtreibung/Verhütung
Verhütung moralisch unbedenklich (nur die mit religiösem Moralismus beseelten Leute haben eine andere Meinung…)
Abtreibung: Gründe dafür und dagegen, moralische Überlegungen bedeuten Erwägungen, Erwägensfragen, nicht so einfach wie die Definition eines Quadrates.
Grundsätzlich zu verbieten ist moralisch nicht gerechtfertigt.
Frage: wie definiere ich menschliches Leben?
im Alltag recht klar zu unterscheiden
Was ist ein Mensch? nicht so leicht zu beantworten…
Woher kommt Fähigkeit zu denken, fühlen? Vom Gehirn.
Gehirn und Geist (Seele) zwei getrennte Dinge – diese Trennung aus wissenschaftliche Sicht nicht haltbar. Geist/Seele sind Ausdrücke des Gehirns. Dualismus wäre wissenschaftliche Anomalie.
Vergleich mit: Beine/Bewegung. Wenn man sagt die Bewegung ist von den Beinen getrennt ist das auch nicht einsichtig. Bewegung ist Systemeigenschaft der Beine. Analog ist Denken Systemeigenschaft des Gehirns.
Embryo ist noch keine Person? Person beginnt mit einem voll ausgeprägten Gehirn? Und hört mit der Funktionsfähigkeit des Gehirns auf.
Wo ist das Zentrum des Lebens beim Menschen:
* Aristoteles: Herz
* ???: Gehirn
0:35:30
Gehirntod
Wenn alles was uns Menschen ausmacht vom Gehirn ausgeht, dann ist es das wesentliche Organ was uns Menschen ausmacht.
Personen mit absoluter Demenz sind dann nicht mehr als Person zu bezeichnen?
Es kann Fälle geben wo Herz noch schlägt, der Gehirntod aber trotzdem festgestellt werden kann.
Hirntod ist in "unseren Breiten" heutige Einigung für Todeszeitpunkt.
Schmerzempfinden
Hippokratischer Eid, jeder Arzt muss das schwören?
Wikipedia: Der Eid des Hippokrates, benannt nach dem griechischen Arzt Hippokrates von Kós (um 460 bis 370 v. Chr.), gilt als erste grundlegende Formulierung einer ärztlichen Ethik. Hippokrates ist jedoch wohl nicht der Urheber des Eides.
Hippokrates.
Der Eid des Hippokrates wird in seiner klassischen Form heute nicht mehr von Ärzten geleistet und hat keine Rechtswirkung, hat aber gleichwohl immer noch Einfluss auf die Formulierung moderner Alternativen. Er enthält mehrere Elemente, die auch heute noch Bestandteil ärztlicher Ethik sind (Gebot, Kranken nicht zu schaden, Schweigepflicht, Verbot sexueller Handlungen an Patienten etc.). Manche Teile entsprechen nicht mehr den heutigen Gegebenheiten (z. B. das Verbot, Blasensteine zu operieren, da Chirurgen damals ein eigener Berufsstand neben den Ärzten waren); diese werden oft entsprechend heutiger Gegebenheiten uminterpretiert (z. B. als Verbot, Behandlungen durchzuführen, für die der Arzt nicht das nötige Spezialistenwissen besitzt). Schwangerschaftsabbruch und aktive Sterbehilfe werden durch den Eid des Hippokrates ausdrücklich untersagt.
"Ich schwöre und rufe Apollon, den Arzt, und Asklepios und Hygeia und Panakeia und alle Götter und Göttinnen zu Zeugen an, dass ich diesen Eid und diesen Vertrag nach meiner Fähigkeit und nach meiner Einsicht erfüllen werde.
Ich werde den, der mich diese Kunst gelehrt hat, gleich meinen Eltern achten, ihn an meinem Unterricht teilnehmen lassen, ihm wenn er in Not gerät, von dem Meinigen abgeben, seine Nachkommen gleich meinen Brüdern halten und sie diese Kunst lehren, wenn sie sie zu lernen verlangen, ohne Entgelt und Vertrag. Und ich werde an Vorschriften, Vorlesungen und aller übrigen Unterweisung meine Söhne und die meines Lehrers und die vertraglich verpflichteten und nach der ärztlichen Sitte vereidigten Schüler teilnehmen lassen, sonst aber niemanden.
Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden.
Auch werde ich niemandem ein tödliches Gift geben, auch nicht wenn ich darum gebeten werde, und ich werde auch niemanden dabei beraten; auch werde ich keiner Frau ein Abtreibungsmittel geben.
Rein und fromm werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren.
Ich werde nicht schneiden, sogar Steinleidende nicht, sondern werde das den Männern überlassen, die dieses Handwerk ausüben.
In alle Häuser, in die ich komme, werde ich zum Nutzen der Kranken hineingehen, frei von jedem bewussten Unrecht und jeder Übeltat, besonders von jedem geschlechtlichen Missbrauch an Frauen und Männern, Freien und Sklaven.
Was ich bei der Behandlung oder auch außerhalb meiner Praxis im Umgange mit Menschen sehe und höre, das man nicht weiterreden darf, werde ich verschweigen und als Geheimnis bewahren.
Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht breche, so sei mir beschieden, in meinem Leben und in meiner Kunst voranzukommen, indem ich Ansehen bei allen Menschen für alle Zeit gewinne; wenn ich ihn aber übertrete und breche, so geschehe mir das Gegenteil."
Man kann also heute den Menschen als Person über sein Gehirn definieren.
Bioethik stützt sich immer auf die empirische Wissenschaft.
keine abstrakten Werte etc.
Bioethik als angewandte Ethik als angewandte Wissenschaft
1:01:10
Manipulation des Lebens, Biotechnologie, Gentechnik
Ist Gentechnik in einer moralisch bedenklichen Situation?
Gentechnik ist jeder wie auch immer geartete Eingriff in das genetische System des Menschen
Teilgebiet der Biotechnologie
Biotechnologie ist jedes technische Verfahren zur Optimierung von Lebewesen oder ihrer Teile (Medikamente, Nahrungsmittel, Ertragsleistungen von Rindern steigern,…)
Der Mensch hat von Beginn an in die Lebewesen eingegriffen. Alles was Tier- und Pflanzenzüchter immer schon gemacht haben sind letztendlich Manipulationen.
Biotechnologie mit Teilgebiet Gentechnik ist Eingriff in das Leben, hat Mensch aber eigentlich immer schon gemacht (daraus lässt sich aber natürlich kein moralische Rechtfertigung ableiten)
Gentechnik ist also nichts als eine Optimierung uralter Züchtungsmethoden
aber ein qualitativer Sprung!
weil durch Kreuzen etc. wie früher ist das ganze langwierig, schwierig etc. mit Gentechnik schneller, effizienter, etc.
2 verschiedene Anwendungsbereiche:
* grüne Gentechnik (Gentechnik in der Landwirtschaft)
* Gentechnik in der Medizin
Bei grüner Gentechnik geht es darum dass genetisches Material über Artgrenzen hinweg transportiert wird.
3 Argumente dafür:
* Ertragssteigerung (Kühe liefern mehr Milch, Schweine wachsen schneller, etc.)
* schädlingsresistente Lebewesen können erzeugt werden (oder Schädlingsresistenz erhöhen)
* Welternährungsproblem kann gelindert werden
Gegenargumente:
* Geschwindigkeit des Eingriffs ist bedrohlich (im Gegensatz zum Züchten)
* die möglichen Konsequenzen sind nicht mit gleicher Geschwindigkeit absehbar
* es werden zunehmend Monokulturen erzeugt, bestimmte Sorten werden großflächig auf Kosten der Vielfalt angebaut
* Auswirkungen auf andere Lebewesen sind unabsehbar (in militärischer Diktion "Kollateralschäden")
Wuketits glaubt, die Einwände überwiegen die positiven Effekte, da noch so viele Unbekannte. (allerdings nicht so sehr aus moralischen Gründen)
Gesundheitsaspekte genmanipulierter Lebensmittel: unbekannt…
VO 25.11.2009
Gentechnik in der Medizin
Mensch hat schon immer versucht "sich zu verbessern", Mensch ist einzige Art die das will, Eingreifen in eigenes Erbgut
Schon in der Antike gab es Selektionsgedanken (Platons Staat???)
Ernst Haeckel (Ernst Heinrich Philipp August Haeckel (* 16. Februar 1834 in Potsdam; † 9. August 1919 in Jena) war ein deutscher Zoologe, Philosoph und Freidenker, der die Arbeiten von Charles Darwin in Deutschland bekannt machte und zu einer speziellen Abstammungslehre ausbaute.)
Verfechter Darwins, hat Evolution sehr weit gefasst
wollte eine Philosophie aufbauen die auf dem Evolutionsgedanken basiert (monistische Philosophie)
im 19. Jh. wurde Selektionsgedanke verfeinert
Haeckel teile Mensch in 5 Gruppen
* Wilde
* Halbwilde (Barbaren)
* Zivilvölker
* Kulturvölker
jede der Gruppen wieder in Untergruppen unterteilt
aus seiner Sicht sind die niedrigsten die Pygmäen, die den Lebenswert eines Schimpansen haben
höchste Stufe waren europäische Völker, die allerhöchste Stufe wurde noch gar nicht erreicht
hat also nicht nur systematisiert sondern auch bewertet!
Rousseau (Jean-Jacques Rousseau (* 28. Juni 1712 in Genf; † 2. Juli 1778 in Ermenonville bei Paris) war ein Genfer Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist. Er gilt als einer der wichtigsten geistigen Wegbereiter der Französischen Revolution und hatte großen Einfluss auf die Pädagogik und die politischen Theorien des 19. und 20. Jahrhunderts.)
"der edle Wilde", im Naturzustand war und ist alles in Ordnung, der Mensch degeneriert aber.
Sozialdarwinismus ist eine ideologische Umdeutung Darwins Evolutionstheorie
bedeutet die Idee, der Möglichkeit einer Verbesserung des Menschengeschlechtes, was den ganzen Komplex der Eugenik oder Rassenhygiene bedeutet. Möglichkeit, Rasse zu veredeln.
Wilhelm Schallmayer: Vererbung und Auslese im Lebenslauf der Völker
Wilhelm Schallmayer (* 10. Februar 1857 in Mindelheim; † 4. Oktober 1919 in Krailling-Planegg) ein deutscher Arzt. Zusammen mit Alfred Ploetz war er Begründer der Rassenhygiene in Deutschland bzw. einer der ersten Vorkämpfer der Eugenik.
Man sieht, dass die Idee der Verbesserung des Menschengeschlechtes immer schon als Idee vorhanden war.
Grundidee war (ohne die Leute zu entschuldigen) auch der Sieg über Krankheiten, etc. Negative Konsequenzen lagen aber auf der Hand.
Wenn man durch eugenische Maßnahmen ausschließlich Krankheiten verhindern kann, wird keiner was dagegen haben? Kritisch wird's wenn man den Idealmenschen will.
Behaviorismus (sozusagen eine Gegenbewegung): Mensch wird nur durch Erziehung geprägt. Jeder Mensch kommt als "tabula rasa" auf die Welt und kann und wird in seiner Entwicklung ausschließlich durch Umweltfaktoren beeinflusst. Man kann also den Menschen machen den man will, ausschließlich durch Erziehung.
Rassenhygieniker waren genau das Gegenteil.
Grundlegung beider Ideen:
Idee des Fortschritts: Wenn nicht automatisch passiert, dann müssen wir halt eingreifen (eugenisch oder behavioristisch)
Aber: wie kann man den Fortschritt bemessen? Welche Kriterien anlegen?
Ist eine problematische Idee
Gene sind kartiert
bloße Kartierung ist aber noch nicht so sinnvoll
ist bloße Landkarte
Zusammenhänge der Gene wären noch wichtiger
Früher gab es die "ein Gen - ein Merkmal" Hypothese. Das ist falsch, muss als Netzwerk betrachtet werden. Ein und dasselbe Gen kann aber an mehreren Merkmalen beteiligt sein, und ein und dasselbe Merkmal kann von vielen Genen abhängen.
Ein Gen für Alkoholismus, Aggression etc. gibt es also nicht, ist alles viel komplexer.
Epigenetik: man hat das lange als Lamarckismus abgetan, Vererbung erworbener Eigenschaften, etc.
Vielleicht ist da noch mit vielen Überraschungen zu rechnen?
floriert derzeit
Genetische Manipulation in der Medizin bedeutet den Eingriff in das genetische System, mit positiven Aspekten im Sinne, Veränderung der genetischen Dispositionen
Argument: Wenn Aufgabe der Medizin die Heilung/Milderung von Krankheiten ist, dann ist es auch in diesem Bereich gerechtfertigt. Zunächst einmal kein moralischer Einwand sichtbar – keiner will Krankheiten.
Pränatale Diagnostik kann heute schon einiges über Mensch aussagen, ist aber heikles Feld: Soll man im Dienste der "Volksgesundheit" Eltern dazu zwingen pränatale Diagnostik durchführen zu lassen? Rudolf Haussmann (???) warnt vor einer "Prophylaxe-Diktatur". Brisantes Feld: niemand soll das Recht haben das Kind wegzunahmen, aber Frau sollte auch Recht haben zu wissen.
Wuketits meint übergeordnete Institutionen (Staat, Versicherungen, etc.) haben nicht das Recht zu entscheiden, welche Menschen zur Welt gebracht werden dürfen.
Fragen aus dem Publikum: (impliziter) ökonomischer Druck
Alles in Biologie und Medizin sind Wahrscheinlichkeitsaussagen, "das Leben ist kein Quadrat"
Argument: "um das Kostenproblem zu lösen, überlassen wir alles der Natur": auch nicht akzeptierbar.
Trend derzeit alles zu ökonomisieren (Unis, Medizin, etc.) – dieser Trend ist zu hinterfragen.
0:50:50 Nächstes Thema
Was ist Gesundheit, wie viele "Punkte" muss ein Mensch haben um als gesund zu gelten.
Darwin: es geht um die Variation (einer der genialsten Gedanken Darwins), das Individuum, jedes Individuum steht für sich, "kein Ei gleicht dem anderen"
Merkmal nicht normiert, z.B. Körpergröße, sehr große Variationsbreite
Man könnte auf die Idee kommen: das sollte man normieren (Kleine sind ja benachteiligt, zu große auch, etc.)
Z. B. normieren bei Männern 1.85 bei Frauen 1.75
--> alle sind zufrieden, alle gleich, keine Benachteiligungen, etc.
aber: wer will sagen was die optimale Körpergröße ist? In manchen Fällen mag der kleine im Vorteil sein.
Glatzköpfigkeit bekämpfen?
Aggression?
da wird es schon anders?
aber auch hier: vielleicht gibt es Situationen wo es von Vorteil ist dieses Aggressivität zu haben?
Schlussfolgerung: was immer wir als wünschenswert erachten
jede Vorstellung einer genetischen Normierung birgt große Gefahren
jede Art lebt von Variation
Wenn alles gleich ist, genetischer "Wärmetod"
(siehe auch Analogie zur grünen Gentechnik, Gefahr der Monokulturen)
Frage: Unterschied Variation/Mutation
Variation: allgemeines Phänomen bei Zeugung
Mutation: plötzliche punktuelle sprunghafte Veränderung, manche sind sogar letal, viele sind völlig belanglos
1:04:50
Frage, wann beim Menschen die Wahrscheinlichkeit für Mutationen am größten ist (frühe Embryonalstadien?)
Ausschaltung von Variation wäre das Ende der Evolution, wäre metaphorisch gesprochen genetischer Wärmetod. Einheitsmensch wäre also Niedergang der Menschheit.
Wuketits verteufelt nicht Gentechnik generell.
Frage: Was ist Krankheit? Kurzsichtigkeit? Zu klein?
--> Problem der fließenden Übergänge, Abstufungen von Kurzsichtigkeit, wo wird es wirklich krankhaft…
Klonen: Herstellung genetisch identer Individuen
kommt in Natur manchmal vor, aber wir nehmen Natur nicht als Vorbild
VO 2.12.2009
Mutationen: treten spontan auf und sind sehr selten.
Im Allgemeinen harmlos und unbedeutend, oder aber schädlich und sogar letal
Down Syndrom
Es gibt aber auch positive Mutationen: vor ca. 6000 Jahren gab es bei Völkern im Norden eine Mutation statt. Normalerweise wird Frischmilch nicht gut vertragen, nach Mutation schon.
Asiaten vertragen Alkohol nicht gut – ihnen wäre eine solche Mutation zu wünschen ;-)
Wir haben Bioethik als Überlebenswissenschaft definiert. Leben der Menschen (und andere) positiv fördern. Möglichst viel Positives für alle (Utilitarismus).
Aber: Soll man überhaupt positiv eingreifen?
Gefahr des politischen Machtmissbrauchs bei Gentechnik ("Züchtung bester Menschen") – deshalb größte Vorsicht geboten. Es gibt keinen besten Menschen – ist Ansichtssage. Keiner kann sich anmaßen, das zu wissen.
Variation ist Quelle möglicher Innovation. Genetischer Einheitsbrei wäre Ende der Menschheitsgeschichte.
0:10:10
Nächstes Thema: Organtransplantationen
Idee/Wunsch kranke/tote Organe durch neue zu ersetzen ist sehr alt
Es gibt Legenden aus 13. Jh. dass schon damals Menschen mit fremden Herzen gelebt hätten. Sind aber wohl Mythen, aber Idee gab es eben schon.
Erste Herzverpflanzung: 1960er Jahre, Barnard in Südafrika.
Heute relativ häufig.
1. Prothesen: Zahnprothesen, Armprothesen, also "künstliche Körperteile"
kaum ethische Fragestellungen
2. echte Organe, v. a. innere Organe
Transplantation von Mensch X auf Mensch Y.
Es gibt viel mehr Menschen mit Bedarf an Organen als potentielle Spender.
Viele Menschen wollen auch nach ihrem Tod ihre Integrität bewahren und seine Organe nicht hergeben. Ist wohl das Recht, niemand kann gezwungen werden.
Hypothetischer Fall: Ein Vater entscheidet sich, seine Leber seiner Tochter zu spenden. Aber: Der Vater muss ja vorher getötet werden. Was tun? Es möchte sterben damit sein Kind weiterlebt. Rechtlich ist das einmal ein Problem, aber darum geht es hier nicht. Moralisch?
Will das die Tochter? Gibt es keine andere Möglichkeit, Leber zu bekommen?
Hier geht es um eine Vater-Tochter Beziehung, es hängt laut Wuketits wohl ausschließlich davon ab was die beiden wollen.
Soziobiologisches Argument (aber gefährlich!): Vater hat sich schon fortgepflanzt, Tochter aber nicht.
Folgende 4 Dinge kann man festhalten:
1. Niemand kann gezwungen werden Organe zu spenden: wenn einer religiöse Überzeugungen hat und glaubt er kommt ohne Herz nicht in den Himmel, dann wird auch eine Überzeugung auf Basis einen aufgeklärten Humanismus nichts nützen…
2. Man müsste Vater "töten", es ist eine dritte Person vonnöten die die entsprechenden Eingriffe tätigt
3. Prinzip der Freiwilligkeit: es steht jedem frei, ein Spenderorgan abzulehnen
4. Schwere Deformation, nicht lebensfähig: Kann man dann diesem Individuum die Organe entnehmen um einem ansonsten lebensfähigen Kind am Leben zu erhalten?
Irgendein Arzt hätte gesagt: "Wir machen uns weniger schuldig wenn wir ein Kind sterben lassen dem wir ohnehin nicht helfen können, oder einem Kind nicht zu helfen dem wir helfen könnten…"
--> letzten Endes wieder Erwägens-/Ermessensfragen
0:31:10
Frage: Unterschied Gesetzeslage bzgl. Organspende in Ö und D (in Ö automatisch, in D nicht)
Xenotransplantation:
Organentnahme/-spende über Artgrenzen hinweg
hat schon etliche Versuche zu tun, bis jetzt ziemlich missglückt (Immunreaktion ist Problem). Ethische Fragen stellen sich aber wohl trotzdem.
Welche Tiere kommen in Frage? Krokodile wohl eher nicht… Aber Schimpansen vielleicht?
Berührung mit Fragen der Tierethik – es gibt nämlich nur 350.000 Menschenaffen??? Gerechtfertigt, sie zu Gunsten des Menschen auszurotten?
Schweine: sind uns in vielen Dingen ähnlich. Auch da Probleme mit Immunreaktion. Könnte aber eines Tages möglich sein. Man könnte sich fragen, wer sollte da was dagegen haben?
Hypothetisches Beispiel aus Literatur: Man stelle sich vor ein Mensch mit Herz von Schimpansen, Leber von Schwein, Nieren von Pavian. Problematisch?
Wuketits würde sagen: zunächst einmal warum nicht? Aber wie würde sich der Betreffende fühlen? Ist er noch ein Mensch? Was ist der Mensch: Philosophen beschäftigen sich seit mehr als 2000 Jahren ohne konkretes Ergebnis damit…
Tierethik ist Problem? Weil Tiere entscheiden nicht ob sie Organe spenden wollen? Das Kind mit Anenzephalie kann man auch nicht fragen.
Menschen wird i.d.R. ein Mensch näher stehen als ein Schwein.
Wuketits bewertet Xenotransplantation moralisch durchaus positiv. Allenfalls kommt man in den Konflikt mit einer umfassenden Tierethik – wird später noch behandelt.
0:47:00 Todesstrafe: Dürfen wir Menschen mit dem Tod bestrafen? Also für Menschen die andere getötet haben.
Argumente dafür: Vergeltung, Abschreckung, Schutz für Gesellschaft
Gegenargumente: Wenn Staat das Töten verbietet, wie kann er dann rechtfertigen selbst zu töten?
Abschreckung kann man rein statistisch wegargumentieren (vgl. Bundesstaaten in USA mit/ohne Todesstrafe). Außerdem: ein Serienmörder denkt ja nicht ständig daran ob er denn erwischt werden wird – Abschreckung sinnlos. Schutz kann auch anders gewährleistet werden. Obendrein ist Todesstrafe sogar teurer.
Wuketits Hauptargument ist aber anders: Tod/Tötung ist der ultimative Punkt und irreversibel. Was ist, wenn der Falsche hingerichtet wird (was ja schon oft passiert ist…)? Unterschied zu unschuldig einsperren, die Zeit kann man zwar auch nicht wiedergeben, aber ist immer noch erträglichere Form. Immerhin kann man sowas versuchen wie Wiedergutmachung, sein weiteres Leben schön gestalten, etc.
Wenn Mutter bei Gerichtsverhandlung Mörder der Tochter erschießt, kann man das psychologisch vielleicht nachvollziehen, aber das darf nicht zum allgemeinen Prinzip erhoben werden. Wäre Barbarei.
Was käme heraus, wenn man in Ö eine Volksbefragung bzgl. Todesstrafe in Ö machen würde? Anonym, im Lichte eines besonders grausamen Mordes, etc.
Studie zeigt dass die Vollstrecker der Todesstrafe, die Henker, später schwere psychische Probleme bekommen.
Standpunkt der Opfer: Was ist wenn Opfer (oder z.B. Mutter/Vater des Opfers) nur dann "Ruhe findet" wenn Täter tot. Man würde auch leicht in Barbarei verfallen.
Zusammenfassend:
Töten von Menschen/werdenden Menschen ist aus moralphilosophischer Sicht nicht grundsätzlich abzulehnen, auch bei Sterbehilfe, wenn alle Rahmenbedingungen etc. klar. Wir können aber keine ethischen Patentlösungen anbieten. Das Grundsätzliche sagt aber nicht viel über einzelne Fälle aus! Deshalb bleibt Ethik, v.a. Bioethik eine sehr dynamische Disziplin – geht anders als eine Prinzipienethik vor.
Individuelle Verhandlungsmoral, Moral für jeden individuellen Fall ist nötig.
Man muss nach möglichst vielen Begründungen/Einzelheiten suchen, erwägen,… wissenschaftliche Hintergrundergebnisse auch wichtig.
VO 16.12.2009
Literaturliste:
Wolf: Texte zur Tierethik, Reclam Heft
…
In den letzten Wochen mit Mensch beschäftigt, jetzt Tierethik
Welche moralische Verantwortung an nichtmenschlichen Lebewesen.
Meiste Zeit in der Geschichte waren moralische Fragen ausschließlich auf den Menschen konzentriert.
Prähistorischer Mensch hat sich schon mit Tieren beschäftigt, Beziehungen zu Tieren, Bewunderung, z. B. Bewunderung der Vögel wegen Fliegen,… Fische wegen Schwimmen, Löwen, Leoparden wegen Kraft, "bärenstark""
2. Menschen empfinden aber auch Angst vor Tieren
3. Menschen empfinden auch Ekel und Abscheu gegenüber Tieren.
4. Viele Tiere haben auch Nutzen für Menschen (Nutztiere, aber auch Haustiere als psychologische Linderung von Leid, oder auch Versuchstiere, Tiere als Jagdhunde)
Viele Tiere haben unsere Kulturgeschichte beeinflusst. Auch Gegenstand für Mythen, Legenden und Sagen (Der Igel und der Hase, etc.).
Beziehung Mensch Tier spiegelt sich in vielen Aspekten der Kunstgeschichte
oft wurden Tiere auch anthropomorphisiert – man dichtet ihnen irgendwelche menschliche Fähigkeiten an.
Wie wir Tiere behandeln, hängt vom Bild ab das wir von Tieren haben. z.B. Eulen: Nächtliche Aktivitäten, Botschafter des Todes? Nahezu ausgerottet. Wolf über Jahrhunderte missverstanden als grausame Bestie, deshalb verfolgt. Im 18 Jh.: "unangenehm im Ganzen, von gemeiner Miene, wildem Anblick, schrecklicher Stimme, unerträglichen Gestank, hassenswert, schädliches Leben, unnütz nach seinem Tode,…"
Descartes meinte Tiere wären vernunftlose seelenlose Lebewesen, sie seien Maschinen.
Im österr. Recht waren bis vor kurzer Zeit Tiere als Sachen definiert.
19. Jh. Charles Darwin, Jeremy Bentham: haben völlig anderes Bild von Tieren geprägt
(Jeremy Bentham (* 15. Februar 1748 in Spitalfields, London; † 6. Juni 1832 in London) war ein englischer Jurist, Philosoph und Sozialreformer. Bentham gilt als Begründer des klassischen Utilitarismus. Er war einer der wichtigsten Sozialreformer Englands im 19. Jahrhundert und ein Vordenker des modernen Wohlfahrtsstaats. Seiner Zeit weit voraus forderte er allgemeine Wahlen, das Frauenstimmrecht, die Abschaffung der Todesstrafe, Tierrechte, die Legalisierung der Homosexualität und die Pressefreiheit. Er gilt als Vater des Feminismus, als Vorkämpfer der Demokratie, des Liberalismus und des Rechtsstaats. Bentham ist aber auch bekannt für seine scharfe Kritik an der französischen Menschenrechtserklärung und sein Eintreten für Wucherzinsen. Auch lieferte er Argumente für den legitimen Einsatz der Folter und entwickelte mit dem Panoptikum ein Modell-Gefängnis, das Michel Foucault als Symbol für die Überwachungs- und Herrschaftsstrukturen der modernen Zivilgesellschaft wählte.)
Darwin "Der Ausdruck von Gemütsbewegungen bei Menschen und Tieren" (Spätwerk, wenig bekannt): Tiere können Angst, Freude etc. empfinden.
George Romanes (George John Romanes (* 19. Mai 1848 in Kingston, Ontario, Kanada; † 23. Mai 1894) war ein britischer Evolutionsbiologie. Er legte den Grundstein für die Tierpsychologie und sagte Ähnlichkeiten zwischen den kognitiven Prozessen bei Menschen und Tieren voraus. Er war der jüngste von Charles Darwins akademischen Freunden. Seine Sicht auf die Evolution hat historische Bedeutung.): die Geistige Entwicklung im Tierreich
hat die Kontinuität in Evolution des Bewusstseins dargestellt
Schon in Tieren hat sich Bewusstsein entwickelt, kulminiert im Menschen.
Bentham hat schon vor Darwin festgehalten: es ist nicht entscheidend, ob Tiere denken oder sprechen wie wir, sondern ob sie leiden können. War Beginn einer Tierethik, Beginn einer moralischen Reflexion über Tiere. Damit ist Tierethik sehr jung im Gegensatz zu Ethik an sich.
Es gibt nicht "das Tier", es gibt Millionen davon. Von 1.5-1.6 Millionen von Tierarten weiß man. Tatsächlich gibt es aber 5-10 Millionen, je nach Schätzung.
Viele Tiergruppen, Stämme, sind den allermeisten Menschen vollkommen unbekannt.
(Bärtierchen, sind Millimetergroß, können in extremsten Tempertaturen überleben, kaum wer kennt sie) Gelten moralische Aspekte auch für unbekannte Tiere?
Die allermeisten Tiere sind wirbellos. Ein großer Teil sind parasitär lebende wurmartige Tiere. Insekten: eine Million bekannt, finden wir auch nicht sympathisch bis aus ganz wenige Ausnahmen (Schmetterlinge, Bienen), aber Läuse, Zecken, Anophelesmücken, Nacktschnecken, etc.
Neutrale Geschöpfe wie Seeigeln,.. etc. Spinnen? Skorpione?
Fische, Säugetiere, etc. Kröten, Schlangen, Krokodile, Vögel, Geier
Sägetiere finden wir oft sympathischer, haben auch oft Nutzen, aber Ameisenbär, Ratten,…
bepelzte Tiere kommen uns oft sympathisch vor, siehe Panda, Eisbär Knuth, etc.
Jaguare? getötete Pflegerin in Schönbrunn. Viele Menschen haben falsche Erwartungen an Tiere ("Hr. Prof., warum tun solche Kätzchen so etwas?")
Wie sinnvoll ist es, Tiere in Regionen (wieder) anzusiedeln, wo sich die Bedingungen massiv geändert haben? wird später beantwortet.
Tierethik bezieht sich also nur auf einen ganz kleinen Teil.
Unsere Sympathiefähigkeit ist begrenzt.
Grundlegende Frage: Darf man Tiere töten? Erledigt sich schnell, z. B. Mücken? Kann man so pauschal auch eigentlich nicht stellen, es geht darum, welche Art von Tieren, unter welchen Umständen, und zu welchen Endzwecken man das darf/nicht darf.
Wir können bislang nicht 100% sagen welche Tiere welche Art von Schmerz empfinden können. Säugetiere und Vögel, weiß man heute, sind schmerzempfindende Wesen.
Heiligkeit/Wert von Leben schlechthin? Ist eigentlich biologisch nicht relevant. ein Grundwert allen Lebens bringt uns nicht weiter, weil wir unter diesen Voraussetzungen von unserer eigenen Psychologie Abstand nehmen müssen und das ist schwer.
Frage: Wie viel Tierethik verträgt der Mensch? Wie viel kann der Mensch?
War keineswegs immer bekannt, dass Tiere Schmerzen empfinden. Man dachte lange Zeit z. B. dass Elche keinen Schmerz empfinden: sie verzogen keine Miene, keine Geräusche, wenn sie angeschossen wurden. Warum? Weil sie keine sozial lebenden Tiere sind, sind Einzelgänger, deshalb macht es für sie keinen Sinn, den Schmerz zu kommunizieren. Trotzdem verspüren sie natürlich Schmerz (haben Schmerzzentrum im Gehirn, etc.)
Niemand kann sich natürlich in ein Tier hineinversetzen, aber man kann über Analogien arbeiten.
Wo ist nun die Grenze zwischen Schmerzempfinden und nicht Schmerzempfinden bei Tieren? Sehr schwer zu beantworten. Man kann aus einigen Experimenten schließen, dass Insekten keine Schmerzen empfinden. Das Nervensystem von Insekten ist auch ganz anders aufgebaut. Ist hier wieder ein Problem des fließenden Übergangs.
Jeremy Bentham sagt, es geht nur ums Schmerzempfinden, nicht ob Tiere denken können, sprechen können etc. Sobald Tiere Schmerz empfinden haben wir sie moralisch analog zum Menschen zu betrachten.
Also: Nicht quälen, verletzen, töten.
3 Bücher von Herbert Wöser (???): Hund und Mensch, Katze und Mensch, Pferd und Mensch
Buch schließt mit: "Für das Pferd wäre es wohl besser gewesen wenn es nie dem Menschen über den Weg gelaufen wäre"
Wenn ich wissen will, wie ich Tiere behandeln soll, muss ich wissen was die Tiere wollen. Z. B. ein (Wild)schwein will sich suhlen – fühlt sich dort wohl. Hauschweine werden gehalten auf Stahl, etc. da kann man sich nicht suhlen. Ist also eine Diskrepanz. Man muss wissen was die Tiere wollen (auch wenn das nichts mit freien Willen zu tun hat). Das was einer Art gerecht wird, muss ermöglicht werden. Das haben mittlerweile auch die Direktoren der Tiergärten erkannt.
Darf der Mensch überhaupt Tiere halten, als Haustiere, oder im Zoo ausstellen, etc. Zirkustiere,… Stierkampf,…
Mensch hat schon vor sehr langer Zeit Tiere domestiziert. Radikale Auffassung wäre zu sagen, dass Mensch Tiere nicht halten darf. geht aber nicht weil schon passiert, ist nicht reversibel. Haustiere sind nicht mehr lebensfähig in freier Natur. Wäre also viel größere Katastrophe.
Es geht also nur mehr darum unter welchen Umständen dürfen wir Tiere halten. Schäferhund in kleiner Wohnung?
Zootiere: mit guten Gründen argumentieren machen Tiergartenbetreiber dass manche keine Chance mehr hätten in freier Wildbahn (z.B. existieren nur mehr 600 Pandas) Panda-Zuchtprogramm in China für Pandas wird ihn hoffentlich retten, was in freier Natur nicht gehen würde. Sibirischer Tiger äquivalent. Man könnte sagen, man hätte Lebensraum nicht zerstören dürfen etc. aber ist leider schon passiert, es geht also darum zu retten was zu retten ist?
Zirkustiere: kann man streiten, bis zu welche Grade sollte man Tiere überhaupt dressieren (dürfen)?
Tierexperimente: nächste Vorlesung, wieder Erwägensfrage…
VO 13.1.2010
Prüfungstermine: 4 schriftliche
wenn nötig mündlichen Termin ausmachen
Themen sollen gedanklich behandelt werden
bei kontroversen Dingen (und fast alles in dieser VO ist kontrovers) auch eigene Meinung schreiben
seit 30 Jahren ist noch niemand durchgefallen…
Tierethik: lange Zeit wurden Tiere als Maschinen betrachtet (siehe Descartes, Mensch hat im Gegensatz zum Tier auch Vernunft)
Ethik als angewandte Wissenschaft?
Unsere Einstellung zu Tieren hat sich stark verändert:
Beispiel: In den 1970er Jahren (als Wuketits studierte) gab es das tierpsychologische Praktikum: man musste Frosch erschlagen um zu beobachten, dass Muskeln noch länger zucken. Jeder Student musste das machen. Heute geht das nicht mehr. Heute würde man es z. B. mit einem Film machen.
Früher: Sinn und Zweck von zoologischen Expeditionen: Tiere abknallen und ausstopfen. Darwins Evolutionstheorie war eigentlich Nebenprodukt seiner Reise.
Ernst Mayr (Wikipedia: Ernst Walter Mayr (* 5. Juli 1904 in Kempten (Allgäu); † 3. Februar 2005 in Bedford) war ein deutsch-amerikanischer Biologe und der Hauptvertreter der modernen synthetischen Evolutionstheorie. Nach Ansicht zahlreicher Kollegen zählt er zu den größten und einflussreichsten Naturforschern des 20. Jahrhunderts.): einer der eminenten Evolutionsbiologe des 20. Jh., hat als junger Mann Expeditionen nach Neuseeland etc. unternommen.
Hat 100000e Vögel erschossen, Innereien gegessen und die Vögel ausgestopft.
Sagte, er habe fast alle Vorgelarten verspeist (i.e. ein paar Exemplare davon). Alle seien gut gewesen, nur der Kormoran sei ungenießbar… Das ginge heute wohl nicht mehr weil viele der Vögel heute unter Artenschutz stehen.
Unsere Einstellung zu Tieren hat sich also massiv geändert.
Tierversuche:
Im 19. Jh. gab es Streit um "Vivisektion": Sektion (Aufschneiden) des Tieres bei lebendigem Leib. Wozu hat man das gemacht? Um Erkenntnisse für die Medizin zu erhalten.
Selbst Darwin hat sich als großer Tierfreund allerdings dafür ausgesprochen. Er meinte das Wohlergehen der Menschen habe Vorrang. Deshalb zum Erkenntnisgewinn gerechtfertigt.
Heute wir das aber nicht mehr praktiziert. Aber heute z. B. werden Sonden ins Gehirn eingefügt etc. auch sehr kontrovers.
Sind Tierversuche gerechtfertigt? Gibt es Alternativen?
Tierversuche werden natürlich an Tieren durchgeführt, die uns Menschen stammesgeschichtlich nahe sind, sonst nicht sehr aussagekräftig.
Militärisch: Es wurden Schweine Radioaktivität ausgesetzt. Hunde mit Projektilen beschossen, um diese zu testen. Wuketits meint hier ein klares "nein".
Kosmetische Industrie: Kaninchen wurden mit Säuren überschüttet etc. Auch ein klares "nein".
Medizin? Hier nicht so einfach..Aber mittlerweile gibt es viele Alternativen zu Tierersuchen, z. B. Computersimulation. Beispiel mit Fröschen ist heute auch methodisch überflüssig.
Es ist aber nicht leicht zu bewerten in welchen Bereich Tierversuche noch nötig sind. Aber wenn sie noch nötig sind, hat man Bedingungen zu schaffen, die die betroffenen Kreaturen möglichst schonen. Es gibt heute auch schon strikte Auflagen. Jedes überflüssige Leid ist zu vermeiden.
Auch das "beringen" von Tieren (Tiger betäuben und einen Sender einbauen, Vögel mit einem Ring versehen), ist letztendlich auch ein Tierversuch.
Aber darf man Tiere töten?
Tiere als Nahrung?
Eine Vegetarierin unter Studenten im Publikum (ca. 40)
Wuketits kennt unter Zoologen keinen Vegetarier. Haben ja Tiere auch zum Fressen gern… ;-)
Unserer Stammesgeschichte nach sind wir Omnivore. Wir konnten auf unterschiedliche Nahrungsquellen ausweichen. Dem prähistorischen Mensch war alles willkommen. Wir vertragen alles, was nicht giftig ist. Abneigungen haben individualpsychologische Gründe. Nicht betreffend unsere Art. Es gibt keine Kulturen, die ausschließlich vegetarisch leben. Gesundheitliche Aspekte anderes Thema (ändern sich außerdem ständig).
In Steinzeit hat man das gegessen was man bekam, Nahrungsbeschaffung war ja auch mit viel Arbeit verbunden. Unser physiologischer Apparat ist als Allesfresser beschaffen.
Vegetarismus lässt sich also nicht evolutionsbiologisch begründen. In der Tierethik gibt es aber die Ansicht, dass Tiere nicht zur Nahrung getötet werden dürfen.
Eine Frau, die inkl. Familie völlig vegan lebt, und ihre Kleidung tierfaserfrei in London kauft, fliegt ein paar Mal pro Jahr nach London zum Einkaufen. Was wenn man das Obdachlosen sagt?
Tierethisches Argument für Verzehren von Tieren: Ein (guter) Hühnerzüchter leistet ja eigentlich einen Beitrag zum Wohlbefinden der Tiere. Tiere wissen ja nicht, dass sie am Ende getötet werden. Hühnerzüchter fördert Wohlbefinden von Tieren, die es ohne ihn gar nicht gäbe, und die in freier Natur nicht leben könnten.
Halten wir uns selbst artgerecht? Pendler, die täglich um 5 Uhr aufstehen bei Billa an der Kasse arbeiten und um 10 abends nach Hause kommen und im Bus nicht essen dürfen… Artgerecht?
Wuketits: Grundsätzliches Tötungsverbot ist nicht durchzusetzen.
Igel aufgenommen, war alleine: im Winter zu Hause überwintert, war sicher nicht artgerecht, weil kein Winterschlaf etc. Also sicher nicht artgerecht. Ist dann im Frühjahr extrem fett gewesen und gestorben (Herzversagen?)
War es OK? Wenn nicht aufgenommen, wäre er früher gestorben, so hat er zumindest ein paar Monate ein schönes Leben gehabt.
Manchmal ermöglichen wir also Tieren ein Leben, was sie ohne uns gar nicht hätten, obwohl nicht artgerecht.
Schädlingsbekämpfung: Überträger von Krankheiten,…
Früher war aber in der Landwirtschaft (fast) alles ein Schädling…
muss aber gezielt erfolgen (keine "Kollateralschäden").
Grundsätzliches Tötungsverbot bei Tieren nicht durchzusetzen. Kann sogar dazu führen, dass entstandener Schaden sogar größer ist als Nutzen.
Leid aller Kreaturen ist also zu minimieren. Das schließt aber nicht aus dass man manche Tiere zu manchen Zwecken auch tötet.
Wenn man in die Situation kommt: Tier oder Mensch? Darwin sagt das menschliche Wohl ist allemal mehr wert. Es gibt eine Hierarchie von Werten? Unterschiedliche Komplexitätsstufen. Schnecke vs. Dachs: ganz andere Evolutionsstufe, das ist objektiv. Subjektiv haben wir aufgrund unserer eigenen Wahrnehmung auch eine Art Hierarchie, uns sind machen Tiere sympathischer, manchmal sind die uns auch stammesgeschichtlich näher (aber nicht immer, Schmetterlinge sehr fern trotzdem sympathisch).
Wuketits vertritt Naturromantik????? Nein, falsch verstanden…???
Je mehr wir über Tierarten wissen, desto besser? Man muss wissen, was wollen die Tiere.
1:09:40 Ökologische Ethik
Umwelt
aktiven Umweltschutz zu betreiben kann sich nur unsere technische Zivilisation leisten
paradox weil gerade diese dazu geführt hat, dass in Natur eingegriffen
Früher allerdings hat Mensch sich Natur nur zunutze gemacht
2010 ist Jahr der Diversität, Artenvielfalt
täglich sterben 150 Arten aus!
Wiedereinbürgerung, Wiederansiedelung von Tieren,…
Viele Vertreter stellen die Frage, ob es sehr sinnvoll ist in einem bestimmten Gebiet Tierarten wieder anzusiedeln, z. B. Braunbär in Österreich.
Bär Bruno in Ö, hat Bienenstock angefallen, wurde dann erschossen: Ja was kann man sich sonst von einem Bären erwarten? Z. B. wenn man in Kloburg Bären ansiedelt? Vor 200-300 Jahren war die Umgebung anders.
Naturlandschaft ist völlig sich selbst überlassen.
Ist aber mittlerweile in Europa fast nicht mehr vorhanden, sicher 95% Kulturlandschaft.
Dort wo es noch Naturlandschaften gibt, werden diese systematisch zerstört (Regenwälder, Antarktis,…). Z. B. Auf einem Baum im Regenwald wurden 125 neue Insektenarten gefunden… Anzahl der Individuen in den tropischen Gebieten ist allerdings gering, aber wahnsinnig viele Arten. Individuendichte geringer als Artendichte. Warum: sonst wäre Konkurrenzkampf zu groß. Zerstörung der Regenwälder heißt auch Zerstörung der Artenvielfalt.
Wir haben also viele Lebensräume zerstört. Aber auch "Naturvölker" haben sogar Tiere ausgerottet? Prinzip der Ausrottung ist also so alt wie Mensch mit noch so einfacher Technologie, mit der er aber immer noch anderen Lebewesen überlegen war. Ist aber eigentlich eine tolle intellektuelle Leistung dass man spätestens im 20. Jh. draufkam, darüber nachzudenken.
Wichtig: Um die Natur brauchen wir uns eigentlich keine Sorgen machen, die Natur kommt schon ohne uns zu Recht… Aussterben gehört zur Evolution dazu, wir haben aber da noch eins draufgelegt.
Wie also argumentieren für Artenschutz?
weil Natur so schön? Weil schade wenn es Regenwald nicht mehr gäbe? (obwohl ihn keiner aus der Nähe kennt, geschweige denn die ganzen Insektenarten dort)
VO 20.1.2010
Letztes Wochenende: In Tirol sind Schweine im Schnee eingegraben worden wegen Tests bzgl. Menschen unter Lawinen. Hier ein Beispiel, wo ein Tierexperiment auch wissenschaftlich völlig sinnlos. Jeder reagiert unterschiedlich, wie lange ein Schwein überlebt sagt fast nichts über Menschen aus. Außerdem waren Schweine narkotisiert… Zeigt, dass auch mit offizieller Genehmigung auch noch dubiose Experimente durchgeführt werden. Erkenntniswert muss vorerst gesichert werden.
Wir sind von unserer physiologischen Gestalt Allesfresser.
Was Wuketits nicht essen würde:
Haifischflossen. Den Haifischen werden die Flossen abgeschnitten, und dann wieder lebendig ins Wasser geworfen.
Tigergenitalien: Tiger sind gefährdete Tiere,…
Schimpansen-/Gorillahirn ("Buschfleisch"): auch gefährdete Spezies
und vieles andere…
0:06:41: ökologische Ethik
Was ist Natur überhaupt? Wir selber auch!?
Wir dürfen Natur nicht romantisieren. Auch Kühe steigen auf Ameisenhaufen – Katastrophe für Ameisen… Hase im Winter: ist wahrscheinlich nicht so glücklich weil er im Schnee kaum Nahrung findet… Natur ist also nicht friedlich oder gut oder schlecht – sie ist wie sie ist. Katastrophen gehören zur Natur dazu. Sinnvolle Naturethik nur möglich, wenn man nicht von vornherein emotionale und subjektive Maßstäbe hineinsetzt. Natur ist auch ein Erdbeben in Haiti, oder ein Tsunami. Diese Natur bedarf unseres Schutzes wohl nicht, eher wir müssen uns schützen.
In der ökologischen Ethik geht es um den Schutz von Organismen. Wie begründen wir Artenschutz? Warum müssen wir uns um natürliche Kreisläufe schützen, etc.
Mensch greift in Natur ein, wie kein anderes Lebewesen davor. Der menschliche Eingriff ist von seiner Qualität und Dimension ein ganz anderer.
Durch unbedachte Vorgehensweisen hat der Mensch das natürliche Gleichgewicht (Gleichgewicht ist zwar romantische Verklärung, es gibt eigentlich Chaos) eingegriffen. Mensch hat z. B. dafür gesorgt, dass Ratten weltweit verbreitet sind (Schifffahrt, Ratten sind ungemein anpassungsfähig). So wollte man Mungos auf einer Karibikinsel aussetzen, damit sie Ratten fressen. Problem ist, dass sie aber nicht nur Ratten sondern auch andere Spezies fressen. Man hat sich nicht überlegt was ein Lebewesen für Folgewirkungen haben kann. Anderes Beispiel: Auf einer Insel Ziegen ausgesetzt, dann Überbevölkerung.
Ökologie: Öko wir immer als "gut" verwendet. Ökologie ist aber eigentlich nur Lehre vom Haushalt der Natur. Beziehungen der Organismen untereinander und in Bezug auf unorganische Dinge.
Biosphäre ist so komplex, dass es keine vollständige Beschreibung gibt. Zusammenhänge etc.
Klimaschutz: Es ist wahrscheinlich, dass sich Klima so oder so verändert, aber es ist alles mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit behaftet, ist noch sehr variabel.
Überfischen, Überjagen, etc.
Rinderzucht nix neues: Aber verursacht auch massive ökologische Probleme. Z. B. wurde eine Schildkröte im Amazonas von den Eingeborenen gerne gegessen (1m groß). Braucht wenig Raum, pflanzt sich effektiv fort.
Rinder brauchen viel mehr Fläche, mehr zu fressen, und pflanzen sich langsamer fort. Warum nicht statt Rindern lieber Schildkröten essen?
Langfristig ist Rinderzucht ökologische Katastrophe. Insgesamt gibt es vielleicht nur 20, 30 Arten als Nutztiere. Man hat sich nicht überlegt, was noch nutzbar wäre unter günstigeren Umständen, die weiger Schaden anrichten. Das gleiche gilt auch für Pflanzen.
Mensch nutzt Natur sehr einseitig, das ist einer der Gründe für Probleme heute. Gentechnik und Monokulturen verstärken das Problem noch. Monokulturen nicht gut für Natur, Natur lebt von Vielfalt, hat Evolution hervorgebracht. Nivellierung von Vielfalt führt zum "Wärmetod" der Natur.
So, wie argumentiere ich jetzt für Naturschutz und Artenschutz? 2 Argumentationsmöglichkeiten
1. Biozentrischer Ansatz, Biozentrismus
2. Anthropozentrismus
ad 1. bedeutet, dass jedes Lebewesen grundsätzlich ein Recht auf Leben hat, jede Art für sich Recht auf Leben hat, aus diesem Grund ist Schutz gerechtfertigt und eine moralische Verpflichtung. So schön das klingt ist das nicht sehr realistisch. auch Krankheitserreger, etc. sind Tiere, Bakterien, Einzeller, etc.? Argument ist aus pragmatischen Gründen nicht haltbar.
2. nicht zu verwechseln mit anthropozentrischem Weltbild, dass Mensch Krone der Schöpfung ist, im Mittelpunkt der Weltalls, etc. Es geht darum dass man dadurch besser argumentieren kann. Naturschutz ist Menschenschutz. Wir brauchen die Natur also für unser Überleben. Mensch ist zumindest komplexestes Lebewesen auf Erde.
Saurier waren hochkomplex und sind vor 65 Mio. Jahren ausgestorben, und weniger komplexe wie Haie, Skorpione sind nicht ausgestorben. Höher komplexe Lebewesen sind also sogar anfälliger fürs Aussterben. Mensch und Zivilisation ist auch sehr "zerbrechlich"
Es gab 5 große Katastrophen: "The big 5" im populärwissenschaftlichen amerikanischen Jargon.
vor 65 Mio. Jahren Saurier, vor 270 Mio. war angeblich die allergrößte, es gab auch immer wieder kleinerer Katastrophen. Manche sagen derzeit sei die 6. Katastrophe, und die sind wir selber. Pro Tag sterben 150 Arten aus. Wir sind aber mittendrin, deshalb sehr schwer objektiv abschätzbar. Aber vielleicht Außerirdische werden es einmal feststellen… ;-)
Man kann auch von Massenaussterben sprechen (kann man definieren, i.e. wenn in einem bestimmten Zeitraum eine bestimmte Zahl an Arten stirbt)
Man schätzt: Sterben der Saurier hat 500.000 bis 1 Mio. Jahr gedauert.
Die Geschwindigkeit, mit der jetzt Arten verschwinden dürfte einzigartig in der Geschichte sein. Man hätte das Massensterben also damals gar nicht bemerkt, weil so langsam im Vergleich zu einem Menschenleben!
Klimaverschlechterung ist auch anthropomorpher Begriff. Klima ist nicht gut oder schlecht, ist einfach.
Autoverkehr in Großstadt… Prof. Knoflacher, Kiste so groß wie Auto,…
Verkehr kann man auch ökonomisch betrachten, Blödsinnigkeit von Individualverkehr ist genauso argumentierbar.
Evolution ist irreversibel, jede ausgerottete Art ist unwiederbringlich, deshalb sind solche Fehler unverzeihlich.
Anthropozentrisches Argument sagt, dass ja viele Arten für uns vielleicht wichtig sind. Z. B. für Medizin. Z. B. ein Käfer mit Chitinpanzer gegen Krebs,… Warum ist das so wahrscheinlich? Weil sich über die Jahrmillionen ja im Laufe der Evolution eine Unzahl an Abwehrmechanismen entwickelt haben!
Man muss gar nicht besonders ökologisch argumentieren, es geht oft ökonomisch, das verstehen viele Menschen besser.
Diskussion über Wasser: Wert ist uns nicht klar, obwohl schon Szenarien über Wasserkriege etc.
Ernst Ulrich von Weizsäcker warnt vor Ökodiktatur.
Lösung: Vermehrte Bildung. Je mehr Menschen tiefere Einblicke in mehr und mehr Probleme gewinnen, desto besser werden diese Probleme lösbar.
(Problem, dass die meisten Menschen immer aus bildungsfernen Schichten sind?)
In Afrika kann man nicht über ökologische Ethik diskutieren – da geht es primär um andere Probleme, das ist natürlich klar...
Für die 6.7 Mrd. Menschen, die dzt. auf Erde leben, wären genug Ressourcen da – es müsste auf diesem Planeten niemand hungern, wenn man die Ressourcen optimaler nutzen würde.
Sinowatz: "Es ist alles sehr kompliziert"
wurde ausgelacht, er hat aber eingesehen wie es wirklich ist – heute bietet jeder nur mehr "Lösungen" an…
Unbegrenztes Wachstum kann auf Dauer nicht gehen. Über den Tellerrand hinausblicken wichtig…
Beförderung des eigenen Wohlbefindens muss nicht auf Kosten anderer gehen. Größtmögliches Glück für alle, gewissermaßen…

