Skriptum:Knowledge Based Economy - Ethische und epistemologische Implikationen (Füllsack Manfred)
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Inhaltsverzeichnis |
1. Vorlesung:
Grundsätzliche Fragen:
Geistiges Eigentum: Eignet sich der Eigentumsbegriff auch bei Wissen? Kann man denselben Begriff wie auf Gegenstände anwenden?
Wissen ist ja nicht mehr exklusives Eigentum, sobald es vorgetragen wurde, sondern geht auch in das Eigentum des anderen über.
Wahrnehmbarkeit von Wissen:
Wissen als Produktionsfaktor in Unternehmen, Wissen als Wertschöpfung.
Das war historisch zwar immer so (Bsp. Erfindung des Hammers), es wird aber in der heutigen Wissensgesellschaft erstmals als relevanter Produktionsfaktor gesehen. Dies ist eine Wahrnehmungsfrage, gab es einen Perspektivenwechsel im 20. Jhd.?
Begriff der emergenten Ordnung:
Emergenz ist das Auftauchen von Zusammenhängen, die etwas als Eigenständiges erscheinen lassen, mit eigener Logik.
Bsp: die philosophischen Methoden: Wenn diese als Werkzeuge gesehen werden, haben diese heute noch Gültigkeit, haben diese ein Ablaufdatum?
In einer emergenten Ordnung werden manche Dinge wahrscheinlicher, in einer anderen unwahrscheinlicher --> Pfadvorgabe.
Umgang mit Nichtwissen:
Luhmann: "Man sieht nicht, was man nicht sieht".
Genauso muss man in Politik mit Nichtwissen hantieren. Das Augenmerk auf das Nichtwissen legen. Doch kann man überhaupt etwas über das Nichtwissen wissen?
Bsp.: Bei manchen philosophischen Texten sollte man zuerst fragen: Wovon handelt der Text nicht?
Auch in der Wissenschaft wichtig: Bsp.: Sowjetunion, die eine Sonderrolle in der Wissenschaft einnahm, weil manche Forschungszweige verboten waren, bzw. in die Ideologie passen mussten. Wie ist das mit dem Wahrheitsideal der Wissenschaft vereinbar?
Bsp.: USA - Evolutionstheorie im Gegensatz zur Theorie einer Schöpfung
Der Wissenschaftsbetrieb lebt von Vielfalt, Pluralität und Austausch.
Nichtwissen ist auch hier strategisch einsetzbar.
Wie kann der Wissenswert eines Unternehmens eingeschätzt werden? Anzahl der eingebrachten Patente, das hat Auswirkungen auf den Börsenwert.
Das Grundeinkommen könnte hier Lösungen anbieten, wo das derzeitige System, das noch aus dem der Industriearbeit stammt, Probleme hat.
Knowledge based economy ist ein aktuelles Schlagwort.
Patentwirtschaft: Verwalten von Patenten, diese geziehlt einzusetzen oder teilweise sogar zurückzuhalten, um die Konkurrenz auszuschalten. Diese ist wieder eine emergente Ordnung.
Nischen: ist die Philosophie eventuell wieder eine Nische?
2.Vorlesung:
Produktionsfaktor Wissen rückt in den Vordergrund, nicht mehr Kapital und Land. Wieso ist das so? Denn Wissen ist immer schon im Spiel gewesen, bei jeder Tätigkeit braucht man es. Bisher war es jedoch selbstverständlicher!
Heute wird es als relevanter gesehen --> ist dies eine erkenntnistheoretische Komponente?
Wissen wird statistisch als relevanter gesehen. In der Philosophie stehen jedoch statistische Phänomene im Hintergrund, das Individuum im Vordergrund.
Es ist eine soziale Wahrnehmung, nicht alle sind sich der Wichtigkeit des Wissens einig!
Historisches Beispiel: Aristoteles beschreibt in der Metaphysik in einer Randbemerkung die Entstehung der Mathematik.
Diese soll in Ägypten entstanden sein, von müssig gehenden Priestern. Die ägyptische Gesellschaft prosperierte, nicht alle mussten unmittelbar an Nahrungsmittelproduktion mitmachen, sie waren handlungsentlastet! Als Quellen gelten Papyrrusfunde! Die ägyptischen Mathematiker haben daraufhin sich auch mit mathematischen Problemen auseinandergesetzt, die nicht unmittelbar praktisch waren, so ist die theoretische Mathematik entstanden.
Dies stellt die Frage auch auf, ob Landwirte wichtigere Arbeit leisten als Wissensarbeiter? So wie Philosophen, die ja ständig unter Legitimationszwang stehen.
Die theoretische Mathematik fing an, sich mit internen Problemen zu beschäftigen. Und auch die Ausbildung von weiteren Mathematikern wurde abstrakter. Der Bedarf an Schulen entstand. Neue Begriffe entwickelten sich. Die Null wurde erfunden.
Bsp. bei Platon: das Nichts
--> es entstehen neue emergente Ordnungen. Gutes Beispiel: Wir erfinden ein 2 Tonnen schweres Gerät (Auto) um 80 kg weiterzutransportieren (Mensch). Bsp.: Finanzwirtschaft: Heuschrecken, Hedgefonds.
Ägypten: es wurden immer mehr Mathematiker gebraucht, dadurch wurde Mathematik wahrscheinlicher --> es entstand eine neue emergente Ordnung. Von den Baueren wurde nicht immer verstanden, was die Mathematiker machten.
Heute gibt es eine Vielzahl an emergenten Ordnungen. Problem dabei: Nach Luhmann: "Man kann nicht sehen, was man nicht sieht.", dh. man versteht oft die Handlungen anderer in anderen Ordnungen nicht.
Eine emergente Ordnung macht manche Handlungen wahrscheinlicher als andere. Manche Handlungen sind innerhalb der emergenten Ordnung wahrscheinlicher als außerhalb. Aber nicht notwendig!
Es gibt Phasenübergänge.
Wenn man das ganze rückwirkend betrachtet: Wenn sich Dinge nur temporär entwickeln, dann gab es keine Anknüpfpunkte, heute kann man nicht mehr daran anknüpfen, dh. man weiß gar nicht, was sich alles schon entwickelt hatte!
Das wirft auch die Frage nach der Realität auf. Gibt es immer nur eine systemimmanente Realität?
Siehe auch:
philo.at/wiki/index.php/Knowledge_Based_Economy_%28Vorlesung%2C_F%C3%BCllsack%2C_2008S%29

