Skriptum:VO Ältere Sprachstufen des Deutschen I - Althochdeutsch und Altsächsisch (Scheuringer Hermann)

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Das Online-Stellen einer Mitschrift zur VO Ältere Sprachstufen des Deutschen I - Althochdeutsch und Altsächsisch wurde durch Prof. Hermann Scheuringer genehmigt.


Inhaltsverzeichnis

02.03.07 - Zum Begriff "Deutsch"

fehlt!


09.03.07 - Einordnung des Althochdeutschen

8. bis 11. Jh., frühes MA aus einzelnen Stammessprachen

  • Franken
  • Türinger
  • Alemannen
  • Baiern
  • Westfränkisch
  • Altsächsisch - im Norden, schon in früher Zeit durch Ahd. überlagert

Überlieferungsorte: Klöster

keine verbindende Sprache in dieser Zeit
lat. Schriftsystem bildet einziges verbindendes Element
keine Runenschrift (im Gegensatz zu altnordischen Sprachen)
Christianisierung


Siedlungsgeschichte

fortschreitende Südwanderung über Main und Limes bis Österreich
Besondere Bedeutung des Ahd. (nach Sonderegger):

die festländische Sprache des Westgermanischen, die am frühesten und besten bezeugt ist
Stammesgrundlagen
schon bei Plinius, Tacitus
  • Ingwäonen - Nordgerm., nicht an der Entwicklung des Deutschen beteiligt
  • Istwäonen = Rhein-Weser-Germanen > Fränkisch
  • Herminonen = Elb-Germanen > Bairisch, Alemannisch


bis 800: Frühalthochdeutsch 9. Jh.: Mittleres (?) Althochdeutsch 10./11. Jh.: Spätalthochdeutsch

Altniederdeutsch nur sehr wenig überliefert Altenglisch Altwestfränkisch

Sprachreste der Westfranken auf galloromanischem Boden (= heutiges Frankreich)


Umgebende germanische Sprachen
  • Gotisch - keine west-südgerm., sondern nord-ostgerm. Sprache
Bibelübersetzung von Wulfilla (> Wölfl/Wölfchen)
aus dem 14. Jh. liefert Vergleichsmaterial
keine direkte Vorstufe des Deutschen
  • Altnordisch

Ahd. hat nur ein bisschen Anteil an der Runenüberlieferung


Überlieferungen / Quellen

für Vorstufen
  • lateinische und griechische historisch-geografische Literatur
  • Namen
  • vereinzelt: Sachwörter, Runen
  • Lehnwörter in andere Sprachen - vor allem Finnisch!
nhd. Seife < ahd. saippo = finn. saippo (?)
nhd. König < ahd. kunningaz = finn.kuningas


aus der Zeit der Völkerwanderung
  • durch das Gotische
  • aus Stammessagen
Frühmittelalter
  • Gliederung nach Stammessprachen möglich
  • "Trümmersprachen" - Westfränkisch, Langobardisch, Vandalen (bis Nordafrika)


Germ. Voraussetzungen

wie weit handelt es sich um ein Stammbaummodell?

Stammbäume lediglich Grundmuster

zwei große Trends: es wurde sowohl differenziert als auch integriert!

Sächsisch/Bairisch/Alemannisch wären ohne Hochdeutsch unter einander unverständlich
Ausgliederung vs. Integration

eine große Integrationsleistung: Entstehung des Deutschen

Ostfränkische Reichsbildung
Das Fränkische
Westfränkisch vs. östlicher Teil
später auch Nord/Süd: Altniederfränkisch (heute: Niederländisch) / Althochdeutsch
Mittelfränkisch, Rheinfränkisch, Ostfränkisch, Südrheinfränkisch

Als Franken bezeichnen sich heute nur mehr Leute, die keine sind (eigentl. Türinger)

eigentliche Franken (Frankfurt!) bezeichnen sich als Hessen

Philologisch

  • Urgermanisch: 1. Jtsd. v.Chr.
  • Frühgerm.: einzelne Wörter bei antiken Schriftstellern um Christi Geburt
  • Spät-Gemeingerm.: schon Differenzierungen, 4. Jtsd. n.Chr.
  • Urnordisch: ab 200 bis 750
  • Süd-/Westgermanisch: kontinental ab 4. Jh.
  • Westfränkisch: bald romanisiert
  • Altdeutsch: † Begriff, für ahd. + mhd.
  • Normalalthochdeutsch: hauptsächlich fränkisch
Grimm: streng ahd. (= Sprachen, die 2. LV am konsequentesten durchgeführt haben)


  • Spätahd.: bis zum 11. Jh.


Was macht das Althochdeutsche aus?

  • Stammesgeschichte = Politik
  • sprachliche Integrations-/Bewahrungsgeschichte
konservative Züge
auch erneuernde, innovative Züge
Lautliche Züge:
Neu:


  • 2. Lautverschiebung: p > pf, f(f) | t > z, s(s) | k > [kx], ch
pepper > Pfeffer | rītan > reißen // rītjan > ritzen | makon > machen
b > p, d > t, g > k (p und k wurden rückgängig gemacht, Vgl. Perk/Berg)
Außerdem wichtig: þ > d (Vgl. engl. thing // dt. Ding)
Konservativ:


  • Erhaltung von [ai] und [au]
Eid vs. āþ | Auge vs. ōg


  • keine Brechungen, alte Kurzvokale erhalten
gëban > altengl. gie-


  • -nF- (n vor Frikativ) fünf/finf
altfries./altsächs./altengl. Ersatzdehnung: fīf


  • Erhaltung Invinitivendung -n
andere Sprachen: Apokope


  • Grammatischer Wechsel (kons) d/t, h/g
tendenziell beseitigt worden in anderen Sprachen


Morphologische Ebene:
Konservativ:


  • Flexionsendungen zum Großteil bewahrt
  • Instrumental mit -iu > ü
z.B. hiu tagu > heute


  • Erhaltung Personalendungen bei Verbalformen
-en (1. Pers. Pl.) | -et (2.) | -ent (3.)
Vgl. plattdt.: -en oder -et für alle drei Formen


  • Dreigeschlechtlichkeit bewahrt
  • Volle Auslautformen - heute noch in einigen Sprachinseln erhalten
"volltonige" Sprache z.B. gīfatero (aeiou erhalten)
auch volle Langvokale in Nebensilben (z.B. habēn)
Neu:


  • relativ frühe Aufgabe des Dual
heute noch Reste von Dualformen: ez, enk (bair.) // it, ink


  • analytische Verbalformen
  • Umlautformen - Umlaut als Grammatikmarkierung
Syntax/Lexik:
Konservativ:


  • Alte Wortbildungskategorien
Neu:


  • Wortschatz massiv umgestaltet mit Wörtern aus dem Lateinischen und Griechischen
z.B. Fenster (engl. altes Window), Tisch, Ziegel


  • Lehnsuffixe: z.B. Nomina agentis mit -er (nach -arius)
alt sind Nomina agentis-Suffixe mit -e (zumindest tendenziell)



Zwei Richtungen des Althochdeutschen

nordwestlicher vs. südöstlicher Kulturzusammenhang

Bairisch: richtung Gotisch - geht auf Völkerwanderung zurück
z.B. 3.Pers.Pl. er = got. is // nordwestl.: he(r)
ravo = got.,ais. rāfr (=Dachsparren)
Wortschatzbeziehungen: Wochentagsnamen
z.B. Samstag (Sams von Sabbat) vs. Sonnabend
Dienstag vs. Ertag
Donnerstag vs. Pfinztag (von griech. Pent für fünf)
Freitag vs. pfěrintag (von griech. Parasceide)


Die VO entfällt ein Mal und findet damit erst am 23.03.07 wieder statt!

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