Skriptum:Vortrag Berufsperspektiven für GermanistInnen (Stocker Günther)

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Entstehungsgeschichte
Die Mitschrift zu dem Vortrag wurde aus dem GERMWIKI ( http://wiki.narrenschiff.org ) übernommen.
hilf mit und ergänze fehlende Informationen

Inhaltsverzeichnis

Daten zur Vortragsreihe

Veranstaltungsleiter

Dr. Günther Stocker
Tel.: 4277-42113, Fax: 0043/1/4277-9421
E-Mail: guenther.stocker@univie.ac.at
Studienrichtungsvertretung Germanistik
Tel.: 4277-42118
E-Mail: strv.germanistik@univie.ac.at



Veranstaltungstermine:

Di, 20.11.2007, 18h c.t., Universität Wien, Hauptgebäude, HS 28, 1. Stock
Dr. Arnulf Knafl (Leiter des Auslands-LektorInnenprogramms der Österreich-Kooperation)
Mag.a Anna Lasselsberger (AHS-Lehrerin, RgORg 15, Leiterin der AG Germanistik)
Mag. Thomas Fügenschuh (Personalentwickler, SPAR Österreich)


Mi, 9.5.2007, 18 Uhr, Universität Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, Elise-Richter-Saal
Mag.Dr. Andreas Brandtner (Universitätsbibliothek/Universitätsarchiv Wien)
Dr. Katja Gasser (ORF)
Mag. Natalie Lettner (Kunsthistorisches Museum Wien)


Di, 27.3.2007, 18 Uhr, Universität Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, Elise-Richter-Saal
Mag. Irmgard Harrer (Ueberreuter Verlag/Annette Betz Verlag)
Mag. Hannes Martschin (Martschin & Partner GmbH. - Werbung/PR/Neue Medien)
Dr. Brigitte Ortner (Österreich-Institut)



Beschreibung der Reihe durch die Veranstalter

"Das Studium der Germanistik ist wie viele kulturwissenschaftliche Studien nicht auf ein spezifisches
Berufsbild ausgerichtet (mit Ausnahme des Lehramtsstudiums). Es bietet stattdessen eine vielfältige
Ausbildung auf wissenschaftlichem Niveau, die auf ein breit gefächertes Spektrum von Berufen
vorbereitet. Um den Germanistik-Studierenden mögliche Berufsfelder vorzustellen und zu einer
Auseinandersetzung mit den eigenen Berufsvorstellungen anzuregen, startet am 27. März eine
Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Berufsperspektiven für GermanistInnen“, die von Günther Stocker vom
Institut für Germanistik und der Studienrichtungs­vertretung Germanistik organisiert wird. Dabei werden
AbsolventInnen aus verschiedenen Arbeitsfeldern über ihren Job und den Weg dorthin berichten und für
Fragen zur Verfügung stehen."

(Quelle: Aktuelles der Germ-Instituts-HP)


Wiki-Mitschriften der einzelnen Vorträge mit freundlicher Genehmigung durch Günther Stocker

Vortrag Berufsperspektiven 20-11-07

Einleitung durch Günther Stocker
Studie der Fakultät für Sozialwissenschaften zum Thema "Employability"
Akademikerarbeitslosigkeit zwischen 2000 und 2005 (Artikel der Universitätszeitschrift)
Akademikerarbeitslosigkeit steigt unproportional im Vergleich zur Zahl der Absolventen
Studie bestätigt deutsche Studien
Studierende aus Fächern von totgesagten Studien versuchen sich schon während des Studiums zu orientieren
Gewis schon nach 5-10 Jahren nach Abschluss relativ guter Job


Einleitung durch die StV (Florian Schweitzer)
stellt Anwesende vor, Anna Lastenberger erkrankt
Arnulf Knafl - Auslandslektorate
Thomas Fügenschuh - Personalchef bei Spar
Thomas Eder - freischaffender Literaturwissenschaftler


=0 Vorträge der Gäste =0

==0 Dr. Arnulf Knafl (Wiss. Angestellter im Verein Österreich-Kooperation) ==0

Stocker hatte insistiert, dass er sich nicht vorbereitet, wohl um ein möglichst authentisches Bild zu geben


Stationen des Werdegangs - biografisches Selbstporträt

Studium 1980-1987 Germanistik

2. Fach Kunstgeschichte, hat ihn aber nicht so sehr interessiert

An Germanistik interessierte ihn vor Allem die NdL

Studienbiografie: vor allem Personen, die ihn durchs Studium getragen haben

1984 Assistent von Welzig karenziert - 2 Jahre Studienassistent

weiß nicht, ober eine solche Veranstaltung besucht hätte, denn durch die Assistententätigkeit hatte er die Illusion, in der Wissenschaft zu bleiben

1987 Studium abgeschlossen, Dissertation bei Wolfgang Hildesheimer

Forschungsassistent an der Akademie der Wissenschaften

stellte fest, dass das Projekt nicht zu ihm passte

späte 80er auch Einsicht, dass er nicht an der Akademie der Wissenschaften bleiben will

wirkliche Wende in seinem Leben
war gezwungen, sich am freien Markt nach einer Beschäftigung umzusehen
nicht mehr im Schatten einer Institution oder eines Mentors

Lektor war für ihn zuerst einmal jemand, der sich professionell mit Literatur befasst

die unterrichtenden Lektoren an ausländischen Universitäten waren eine für ihn damals unbekannte Tatsache
schon Wissen um diese Tätigkeit, aber fragte sich, was er dort soll
hatte kaum Fremdsprachenkenntnisse

ungefähr 1990 Bewerung für Position in Verhagen

manche Verlagsleiter wollten Programm an ihm darstellen
zu Manuskripten Gutachten erstellen oder sie korrekturlesen

1990 Fall des eisernen Vorhangs

=Bildungspolitisch günstige Situation
Wissenschaftspolitik von Busek ernst genommen
Verbindungen nach Osteuropa zu stärken
Universitäten begannen Deutsch-Studien anzubieten - ausländische Lektoren wurden gebraucht!
dadurch konnte er ohne große Fremdsprachenkenntnisse nach Budapest als Auslandslektor

schon in den ersten Wochen das Gefühl, dass

  1. die Tätigkeit ihm gefällt
  2. er von Kollegen und Studierenden angenommen wird

er empfand dies als gewissen Kontrast zu seinen Erfahrungen in Wien

Tätigkeit drei Jahre lang, empfand sie als wichtige persönliche Erfahrung

engagierte sich in Budapest für österreichische Kultur

nur eine Angst: Was soll er machen wenn er nach dem Lektorat zurück nach Wien kommt?

die Tätigkeit war auf 5 Jahr befristet

Lebensläufe von diversen Faktoren abhängig


Rückkehrgeschichte voller Zufälle
durch Verlage Schriftstellerin kennengelern
diese wurde Leiter der Literaturgesellschaft
Wolfang Kraus mit LEiterin des Kulturinstituts in Budapest befreundet, fragte sie, ob sie ihm einen Termin ausmachen kann

Frage der österreichischen Auslandslektorate wurde spannend

inwzsichen ca. 180 Auslandslektoren
Frage nach Dachverein für dieses Programm
drei Jahre nach Fall des Vorhangs Verein gegründet
wiederum personelle Verflechtungen (Kraus) führten dazu, dass Knafl dafür engagiert wurde
hatte damit nun jeweils zwei halbe Stellen

seit 1995 vollzeitig in der Österreich-Kooperation


Was macht er dort?

für geistes- und kulturwissenschaftliche Studien Lektoren ins Ausland schicken, um österreichische Kultur zu verbreiten

Knafl informiert über Bedingungen im Programm

sammelt Bewerbungen
nimmt Vorauswahl vor
schickt Bewerbungen an Unis
bereitet Lektoren aufs Ausland vor

lernte viele Personen über dieses Programm kennen

Tätigkeit hat zwei Ebenen:

  1. Verwaltungstätigkeit
  2. struktureller Kontakt zum Fach

mit der Frage "Was mach ich mit dem Studium" ist Knafl tagtäglich konfrontiert


Thomas Fügenschuh (Personalentwickler bei Spar)

41 Jahre alt, aus Salzburg, Lebensgefährtin und 5-jähriger Sohn

1986 begonnen auf der Boku Landschaftsökologie

konfrontiert mit Physik, Statik... wurde ihm zu viel
nach dem ersten Semester wusste er nicht, was er tun soll
übte manuelle Tätigkeiten aus (Post, BMW)
wollte Lehrer werden (Deutsch + PPP)


hat Ferialwochen für finanziell benachteiligte Jugendliche Gemacht - Umgang mit Jugendlichen gefiel ihm

Germanistik wissenschaftlich!

Sprachwissenschaft, DaF

3. Semester Info-Veranstaltung "Der Lehrer der Zukunft"

Erkenntnis: Mit dem Studium wird er nie Lehrerer
hat sich jahrelang um Stelle beworben
wollte STudium nicht noch einmal wechseln, deshalb studierte er fertig
wenn nicht Schule, dann Erwachsenenbildung
Renner-Institut, aber als nicht partei-gebundener
erlebte, dass Ausbildung auch ander spassiert als an der Uni
Seminarstruktur ganz anders
Ausbildung zum Rhetorik- und Kommunikationstrainer
"Wichtig ist das, was ankommt"
daneben noch klassische Moderationsausbildung


SPÖ billige Ausbildung, billiger Tagessatz

alles neben dem Studium

nach Abschluss Bildungspraktikum, ein Jahr
wusste, dass es keinen Job gibt und das war ihm auch nicht unrecht

mit 27 konnte er noch nicht freiberuflicher Trainer in der Erwachsenenbildung sein

suchte Festanstellung, ging dafür zurück nach Salzburg
unterrichtete dort DaF in einer nahegelegenen Gegend in Deutschland
wäre schöner Job gewesen, Jugendliche waren sehr dankbar
für karenzierte Frau die zurückkam wurde er allerdings gekündigt


es begannen Selbstzweifel, kehrte wieder nach Salzburg zurük

Freundin rief ihn an, er solle bei Ibis trainieren
Schulungen für Arbeitssuchende und Arbeitslose
wurde vom Arbeitsamt bezahlt
wurde bald fest eingestellt, ein paar Jahre später Bereichsleiter
hatte bald massives Burnout (70 Wochenstunden)


ging ein Jahr auf Weltreise, wo er über sich nachdenken konnte - wollte nicht mehr ins Management

wollte sich selbstständig machen, sah Stelle bei Spar ausgeschrieben

Was tut man als Personalentwickler?
  • Konzepte für Ausbildung von Personal
  • trainiert auch selbst (Betriebsleiter)
  • internes Ausbildungsprogramm "Spar Meister" 6 Jahre

Team von 8 Personen mit unterschiedlichem Werdegang

Akademiker, Nicht-Akademiker, Psychotherapeutin...



Univ.-Ass. Mag. Dr. Thomas Eder (freischaffender Literaturwissenschaftler)

Flexibilität des freischaffenden Literaturwissenschaftlers

digressive Karrieren

zweite Hälfte 80er Germanistik und Philosophie

damals Ansicht der Forschung: alles was jünger als 50 Jahre ist, wird nicht literaturwissenschaftlich erforscht
Eder entdeckte bald seine Freude an dieser neuesten Literatur

herausragender Ort der Literaturpräsentation: Alte Schmiede

literaturwissenschaftliche Debatten
kommt gerade von Diskussion mit Werner Hamacher


wollte etwas für diese Literatur tun 1991/92 Literaturreihe betreut

Verlag Droschl in Graz "Neue Texte"
Heimrat Becker - experimentelle Literatur

durch seinen Kontakt zu Autoren

Seminararbeiten zu Autoren geschrieben, zu denen es keine Veranstaltung gab (bei Schmidt-Dengler)

1991-98 Lektorat bei Droschl

Diplomarbeit und Disseration zu neuen Autoren

diese Forschung war sehr aufwändig

1996 als Magister Forschungsgelder von der ÖNBank lukriert für eineinhalb Jahre

zugleich Möglichkeit über das BMKunst&Kultur an academie solitude
wissenschaftliches Leben für ein halbes Jahr an einem Schloss, um Projekt durchzuführen


immer wieder Bezug zu gelebter Literatur

Archive für "Vorlass" von Autoren
Heimrat Becker im Literaturarchiv der ÖNBibliothek
Arbeit zum Teil auch nicht so spannend, aber in Summe sehr fruchtbar
  • selbsterfundene Stelle in Projekten
  • arbeitet als das, was einen interessiert

bis 2003 Projekt in ÖNBib.

Organisation von literarischen Veranstaltungen in Alter Schmiede

seit 2003 verantwortlich für Literaturhaus in Mürzzuschlag

auch Literatur, die nicht regional ist
auch wenn Jelinek dort geboren wurde
letztes Jahr Symposion
Publikum eher klein, aber es entstehen z.T. Bücher

dazwischen größere Forschungsarbeit mit Förderern

2004 Forschungsgelder für Institut Germanistik Wien + Berlin Literatur und Kultur

amerikanisches Sprichwort: "Publish or parish!"


Resümee

man sollte einem inneren Drang folgen

strategisch zu denken hat für Eder nicht geklappt
ein persönliches Ziel zu verfolgen ist sehr wichtig


freischaffender Literaturwissenschaftler zu sein heißt
  • Forschungsgelder lukrieren
  • muss sich ein zweites Standbein suchen
  • es ist relativ viel Arbeit Forschungsgelder zu lukrieren



Diskussion

Einleitende Worte Stocker

plötzlich tut sich eine Türe auf, Zufall bietet Berufsweg

  • Worin hat man sich qualifiziert?
  • Was hat man bis dahin gemacht?

Wichtig:

Vielzahl an Praktika
schon wärend des Studiums umschauen
Einleitende Worte durch die StV (Florian Schweitzer)
Wo finden sich Germanisten, um Kontakte zu knüpfen - viel nebenbei machen und seinem Interesse nachgehen


Wo kann man Rhetorik-Schulungen machen?

(Publikum an Fügenschuh)

Fügenschuh: klassische Ausbildungen werden wenig angeboten, eher Moderationsausbildungen.

viele kosten auch sehr viel Geld
6 Tage 4teilig am Renner-Institut


Wie viele Pensionsjahre haben Sie?

(Publikum an Eder)

Eder: Damals Aufkommen der neuen Selbstständigkeit, gleichgestellt mit Installateur

Forschungsprojekt Abgaben an gewerbliche Wirtschaft
z.T. auch Projekte als Angestellter
seit '94 Pensionsjahre


Wie sieht das aus bei Projekteinreichung beim FWF?

(Publikum an Eder)

Eder: Gutachten extern gewertet, Projektphase muss schon weit sein, als sei es fast fertig

braucht wasserdichten Forschungsplan, Ziel: Bücher!


Gibt es für das Auslandslektorat lediglich fixe Stellen oder sind auch neue möglich (Bsp. Argentinien)?

(Publikum an Knafl)

Knafl: Chancen für Argentinien sehr schlecht

Budget ständig rückläufig, neue Stellen sind sehr unwahrscheinlich
manchmal als Gastgeschenk österreichisches Lektorat bei Ministerreisen
im Falle Südamerika eher skeptisch


Geht es beim Auslandslektorat eher um DaF oder ums Fachliche?

(Publikum an Knafl)

Knafl: ~70-75 % Sprachvermittlung, verschiedene Niveaus

bei manchen Standorten Kontinuität, wo mehr Literatur oder Landeskunde

Stocker: war selbst Lektor, hängt von Bedürfnissen ab

90 % Literatur, aber Studierende schlechtes Niveau, weshalb sehr schwierig
überwiegend DaF, mit unterschiedlichen Gewichtungen
z.B. Philosophie lesen Marx
emphielt Literatur zu verwenden, spannende Erfahrung
bestimmter Erfahrungsgrad in DaF ist auf jeden Fall nötig


Gibt es Voraussetzungen für das Auslandslektorat? Wenn ja, Welche?

(StV an Knafl)

Knafl: Magisterabschluss, Deutsch auf muttersprachlichem Niveau, nicht älter als 38 Jahre

letzte Entscheidung treffen die gastgebenden Insittute
sie machen den Unis nur Personalangebot
DaF wichtig, Auslandserfahrung wichtig
Abschluss in Germanisik hoher Stellenwert
Intitutionen verlagnen oft Germanisten
mehr als ein Drittel haben nicht Germanistik studiert (40-45)
aber DaF-Ausbildung



Wie wichtig ist die Kenntnis der jeweiligen Landessprache?

(Publikum an Knafl)

Knafl: im westlichen Europa sehr wichtig, weil Niveau ziemlich schlecht

Russland und Ukraine schwierig ohne Landessprache
Osteuropa wird schon viel Deutsch gesprochen


Wie schauts bei Spar aus mit Jobs?

(Publikum an Fügenschuh)

Fügenschuh: 33.000 Mitarbeiter in Österreich, viele Jobs zu bieten

merkt bei den Neuankömmlingen in den letzten zwei bis drei Jahren mehr Akademiker
Logistik wichtige Rolle, neuer Lehrberuf des Logistik-Fachmannes

Mögliche Lebenswege

(angeregt durch Knafl)

Knafl: Vielleicht interessant, was aus Personen geworden ist, die durch Lektorat zu ihrer neuen Tätigkeit gefunden haben

vor 10 Jahren eine Frau nach Kroatien, fünf Jahre dort, sah ein Inserat von österreichisch-kroatischen Kooperationen einer Bank - wurde hier Trainerin, was ihr so Qualifikation für diese Stelle brachte

Fügenschuh: Spannend, Zugang zu schaffen mit Trainee-Programm, damit geht man durch alle Abteilungen

Eder: Einer seiner besten Freunde türkischstämmig

wurde nach Matura-Ergebnis eingeteilt und studierte Elektrotechnik
kam in ein Seminar von Eder und übersetzt mittlerweile Literatur ins Türkische


Was bleibt als Personalentwickler noch vom Germanistik-Studium relevant?

(Stocker an Fügenschuh)

Fügenschuh: nicht rein LIteratur studiert, auch Lehramt

wenn rein Germanistik, dann nur beim Schreiben von Berichten die Formulierungen
Personal-Marketing: nach außen hin besser aufzutreten, Konzepte verständlich schreiben zu können
Vermittlung im Seminar, so dass es ankommt
im Studium gelernt:
Flexibel zu sein, dran zu bleiben, seinen Neigungen nachzugehen



Abschluss

Knafl
ihm ist in der Arbeit wichtig, dass Menschen eine reflektierte Einstellung zur Sprache haben und einen flexiblen Umgang mit dem Unterricht zeigen.
"Man lernt an der Uni nicht zu entscheiden, sondern zu unterscheiden."
Stocker
Dank an die Gäste


Einleitung durch Günther Stocker
Spannungsfeld Bildungs- vs. Ausbildungsbegriff
Effizienz ist ins Zentrum gerückt, aber Studium sollte keine reine Ausbildung sein
Vortragsreihe als Kontakt zur Außenwelt
Rückblick erste Veranstaltung:
ein Praktikumsplatz vergeben, eine Projektarbeit angeregt, Mitschrift im GermWiki
an der Uni Einrichtung zur Karriereberatung - ehem. CareerCenter, heute Uniport
beschäftigt sich mit Verbindung Uni + Job
bieten kostenlos Karriereberatung an
Berufs- und Karrieremesse
betrifft alle Fakultäten; z.T. Arbeitgeber auf der Suche nach Arbeitnehmern
13. Juni 2007 im Arkadenhof - Uni-Success07



Einleitung durch die StV (Veronika Helfert)
zur Bildungs-/Ausbildungsdiskussion
Studium als Persönlichkeits-/Geistes-/Bildungsentwicklung
Veranstaltung soll mögliche Wege ins Berufsleben aufzeigen



Vortrag Berufsperspektiven 09-05-07

Vorträge der Gäste

Mag.Dr. Andreas Brandtner (Universitätsbibliothek/Universitätsarchiv Wien)

Studium in den 80ern, damals nicht solche Veranstaltungen

aber selbst wenn es diese gegeben hätte, wäre er nicht hingegangen, da er das Wort "Karriere" verabscheute

seit 2 Jahren ist er Stellvertretender Leiter des Bibliotheks- und Archivwesens (BAW) der UB Wien

in dieser Position v.a. für Fachbereichsbibliotheken (FB) zuständig
beruflich kein Kontakt mehr zur Germanistik, Entwicklungsweg weg von der Germanisitk


Ausbildung
  1. Germanistik- und Philosophiestudium
  2. Bibliothekarsausbildung


Arbeit an der UB

In der UB hoher Anteil an Akademikern = 100/348(?)

zumindest zwei Stellen immer mit Germanisten besetzt - 1 FB Germ, 1 Fachreferent für Germ
an der UB für jeden Fachbereich ein Fachreferent

40 FBs, Leitungen mit Fachleuten

die meisten Stellen sind aber nicht fachgebunden


Lebensweg
neusprachliches Gymnasium
~2 Jahre "Desorientierungsphase"
Germanistik (Erstfach) und Philosophie (Zweitfach) auf Diplom studiert
hat lange gedauert bis zum ersten Beruf
vom ersten Semester an begeistert von seinem Fach - richtiges Studium
Erwerb vieler Schlüsselqualifikationen im Germ-Studium
Kommunikation, Sprache
FWF-Projekt nach Diplom, am Germanistik-Institut

im Rückblick zwei wichtige Dinge:

  1. Praktikum
  2. Post-Graduate-Ausbildung
ad 1) das Praktikum hatte sich aus dem Studium heraus ergeben, Univ.Lektor
mit Kollegen gemeinsam einen Nachlass erschlossen
Literaturarchive, Spezialkenntnisse dabei erworben
ad 2) Postgraduiertenstudium Ende der 90er-Jahre
damals kaum Ausbildungsangebote, heute so viel, dass man sich kaum noch orientieren kann
gab Kulturmanagement - hat er gemacht, machte ihm klar, dass er keine Habilitation machen will


Nationalbibliothek schrieb Stelle aus für Nachlassverwaltung

war Viertgereihter und arbeitete 5 Jahre an Projekten im Literaturarchiv
brachte ihm internationale Erfahrungen
kam aber von der Projektstelle nicht weg, bekam nicht die feste Anstellung an der NB, die er eigentlich wollte

Wiener Stadt- und Landesbibliothek (LB) schrieb Stelle für Handschriftensammlung aus

dort bleibt er 5 Jahre lang

danach war eine Stelle in der UB ausgeschrieben, auf die er sich bewirbt

dort ist er jetzt seit 2 Jahren


Größere Fortbildungspakete - Bibliothekarsausbildung

Damals im/aus dem Job heraus gemacht, heute als Privatperson mit großem Kostenaufwand


Während dem Studium

Zwei Auslandsaufenthalte

2 Semester München - schon Diplomarbeit und damit zu spät, relativierte Sicht auf Uni Wien (positiv)
3 Monate in Paris - wenig Studium, viel Stadt
heute würde er sich wünschen, ein Jahr in den USA verbracht zu haben


Dr. Katja Gasser (ORF)

Redakteurin in der Kulturredaktion des ORF (Fernsehen, nicht Radio)

angefangen bei Ö1 mit Features, Hörbilder dann Ex libres
über Praktikum schließlich beim Fernsehen gelandet


Studium

Studium der Germanistik in Wien, das letzte Jahr dann in London, dort Magister

2 Jahre in Oxford Univ.Lektorin
1 Jahr nach Lektorsarbeit in London, von dort aus Arbeit für Ö1

Rest in der Diskussion


Mag. Natalie Lettner (Kunsthistorisches Museum Wien)

Germanistik-Studium: toll - wertvoll, sinnvoll

würde es sofort wieder studieren, wenn sie wieder 18 wäre

Job schnell gefunden, wenn man Ausbildung gerne gemacht hat

hat auch sehr viel mit Zufall zu tun

Ihre Karriere war nicht linear, überhaupt nicht homogen

auch heute führt sie ein Doppelleben:
  1. Texterin für Audioguides des Kunsthistorischen Museums Wien
  2. Dokumentarfilmerin (als künstlerische, freie Arbeit)



Werdegang

zuerst Jus studiert wg. Berufsaussichten

1 Jahr lang gemacht und überhaupt nicht daran interessiert
einen Sommer lang hat sie überlegt, das Studium zu wechseln, da ihr das wie Sitzenbleiben vorkam
schlussendlich entscheidet sie sich doch für den Wechsel
Erstfach: Germanistik, Zweitfach: Kunstgeschichte (nicht in Wien, sondern Salzburg)


Ihr erstes Seminar war Sprachwissenschaft, obwohl alle andern sich gequält gefühlt haben, war sie begeistert

lange studiert, mit 26 fertig geworden - damals gab es allerdings noch keine Studiengebühren

neben dem Studium trotzdem gearbeitet: primär in Erwachsenenbildung

auch viel an der ÖH gemacht
dabei lernt man viel, z.B. über Organisation, Teamarbeit


Abschluss Studium


Jobs

Zufälle spielen eine große Rolle, sie hat sich nie schriftlich beworben

hatte davon gehört, dass ein Avantgarde-Theater eine Dramaturgin sucht
hat angerufen, Treffen mit der Prinzipalin ausgemacht
in dem Theater keine fertigen Stücke, sondern selbst Gebasteltes
1. Stück bestand aus Ernst Jandl-Gedichten
war ein Sprung ins kalte Wasser, aber sehr erfrischend
die wiss. Sprache, die sie sich davor mühselig angelernt hatte, konnte sie gleich vergessen
am Theater war kein Uni-Bluff gefragt


dramaturigsche Fertigkeiten aus dem Studium

wie ist eine Geschichte aufgebaut, wie spannt man einen dramaturgischen Bogen
Vielschichtigkeit und Qualität von Texten zu erkennen

Wollte dann weg aus Salzburg, auch aus der Theaterfamilie

hatte sich schon einige Zeit mit Hörtexten befasst
Audioguides kamen damals gerade erst auf

Kam nach Wien, textete für kulturelle Einrichtungen

Nachfrage, ob sie dort Audioguide schreiben könne
Kuratoren mischten sich stark ein, sie fand die Texte z.T. überladen


hatte davon gehört, ass das KHM auch plant, einen Audioguide zu machen, rief dort an

Vorstellung mit 3 Texten zu 3 Gemälden
wollten sie gleich anstellen, sie wehrte sich dagegen
gute Verhandlungsposition, weil sie dadurch jetzt viele Freiheiten hat

einige Jahre gemacht, dann ging ihr das Künstlerische ab

kam in das Filmische hinein, auch dafür war Germanistik wichtig, auch wenn schon visuelles Talent da sein sollte
analytisches/strukturelles Denken sehr hilfreich


Kurz zur wirtschaftlichen Bildung

für viele Bereiche ist eine wirtschaftliche Ausbildung sicher ganz gut, aber

wenn ich dieses Wissen habe, muss ich es auch in einem Beruf einsetzen wollen
für ihren Job braucht man dieses Wissen nicht
ihr Job umfasst die Betreuung der Geräte, Regie der Aufnahme (um Betonung zu prüfen) etc.



Diskussion

Einleitende Worte durch die StV (Susanne Fuchs)

Es ist gut zu sehen, welches Potenzial das Germanistik-Studium hat!


Waren Sie auch für DaF in London? Und wie hat das mit Ö1 genauer funktioniert?

(Publikum an Gasser)

Gasser: Über Österreich-Kooperation Lektoratsstelle, hatte sich dort beworben

Ö1 von London aus nicht beworben, sondern ein Feature vorgeschlagen, das sie machen könnte
hatte aber schon Praktika im Landesstudio Kärnten gemacht als Voraussetzung
ihrer Erfahrung nach sollte man initiativ eine Sache vorschlagen
hat einen Radio-Journalismus-Lehrgang gemacht



Sie haben für versch. kult. Einrichtungen geschrieben. Wie hat sich das ergeben?

(Publikum an Lettner)

Lettner: ging immer initiativ hin und fragte, ob sie für die Einrichtung arbeiten kann

wenn sie nicht genommen wurde, dann eben nicht
soziales Netzwerk aus Sbg. hatte sie allerdings verloren, insofern war es schon eher schwierig



Wie haben Sie sich das Studium finanziert?

(Publikum an alle drei Vortragenden)

Brandtner: einen Teil von den Eltern, einen Teil als Ausfahrer für einen Elektrobetrieb

Letzteres ist aber natürlich nicht Lebenslauf-trächtig


Lettner: immer unterrichtet, schon während der Schule

Italienisch, DaF in allen möglichen Formen, am bfi


Gasser: einen Teil von den Eltern, einen Teil in der Schule für Dichtung und andere Nebenjobs

viele Kleinigkeiten, auch Unterrichten
noch kurz zu Ö1: der offizielle Weg geht über das Assessment-Center [Artikel auf Wikipedia]



Arbeiten Sie bei den Audioguides auch an den Übersetzungen?

(Publikum an Lettner)

Lettner:nein, das machen Muttersprachler, ÜbersetzerInnen; aber sie betreut die Übersetzungen


Wie sieht die Job-Situation (speziell bei UB und ORF) für Germanisten aus?

(Stocker an Brandtner und Gasser)

Brandtner: Germanisten sind gar nicht so schlecht dran

wichtig für bilbiothekarischen Bereich: Schlüsselqualifikationen und Basiskompetenzen
UB im Speziellen: sind Dienstleister, kein Wissenschaftsunternehmen
Qualifikationen müssen auf Dienstleistung ausgerichtet sein
Bibliothekare lesen nicht!
in anderen Bibliotheken anders, gibt zwei Typen: A) wissenschaftliche B) öffentliche Biblioetheken
NB und LB meist auch Forschungsauftrag - in diesem Bereich näher am Fach
Jobsituation: 100 AkademikerInnen in der UB
immer wieder Karenzvertretungen gebraucht, diese als Einstiegspunkt
bei der NB ist das ähnlich, starker Projektteil
UB derzeit Provenienzforschung für Zeit von 1938-1945
untersucht auf Unrechtmäßigkeit der Beschaffung von Büchern - 2 Germanisten arbeiten daran
einer schreibt gerade an seiner Disseration, die andere hat sie gerade hinter sich


Gasser: ORF Möglichkeit über Praktikum hinein zu kommen

die meisten kommen über Praktika zum ORF
es ist schon schwierig, aber es geht viel mehr, als man denken würde


Brandtner: suchen derzeit auch zwei Judaisten mit Biliothekarsausbildung

das ist eigentlich ein sehr unwahrscheinliches Szenario und trotzdem treten solche Situationen ein



Welche US-amerikanischen Institute wären für das Germanistik-Studium empfehlenswert?

(Publikum eigentlich an Brandtner, mit Bezug auf seinen Wunsch ein Jahr in den USA gewesen zu sein)

Brandtner: wollte nicht für das Germanistik-Studium in die USA
Lettner: aber prinzipiell wäre die Brown-Universität z.B. zu empfehlen

für die Germanistik ist eine Empfehlung schwierig, aber gibt z.T. gute Literaturtheoretiker
eher die teuren Unis, gibt teilweise auch Stipendien


Gibt es Alternativen zur Bibliothekarsausbildung?

(Publikum an Brandnter)

Brandnter:er hat sie berufsbegleitend an der LB Wien gemacht

durch Integration der UBs in die Unis dort jetzt keine solche Ausbildung mehr möglich
  • Lehrgang in 2x2 Semestern
Voraussetzung für die ersten beiden Semester: Matura
Kosten für ersten zwei: 4.500 EUR, 100 Ausbildungstage, davon 25 an der UB
  • Wer veranstaltet Kurse?
die Unis (Wien, Klagenfurt, Graz), auch NB
MSC-Abschluss (Master of Science)
3.700 EUR für die zwei letzten Semester
für eine Stelle an der UB reichen die ersten beiden Semester
  • Donauuni Krems 4 Semester MSC
eher im Bereich Dokumentationswesen
  • Kommt nicht in Frage: FH Eisenstadt
gilt nur für Hardcore-Bibliotheken, d.h. diejenigen, die früher dem Ministerium unterstanden
da fallen raus: NB und LBs
LBs haben hauseigene Ausbildung mit Dienstprüfung als Abschluss
allerdings ist diese Ausbildung 'nur' eine Weitergabe der Haustradition
Marktsituation
viele Leute mit Bibliothekarsausbildung, die Jobs suchen, werden also niemanden ohne diese Ausbildung nehmen



Haben Sie die Berufe Ihrer Eltern in Ihrer Wahl beeinflusst?

(Publikum an alle drei Vortragenden)

Gasser: gar nicht; Vater wollte, dass sie Jus studiert Brandtner: beide Ärzte, daraus sah er nur, was er nicht werden wollte Lettner: beide Eltern Lehrer, aber kaum Einfluss

Allerdings bekam sie dadurch Nebenjobs leichter, Vermittlung von Wissen für sie positiv besetzt


Gasser: Eltern hätten sie nur nicht positiv motiviert für ihre heutigen Interessen


Waren die Praktika im Landesstudio Kärnten Voraussetzung für den Einstieg beim ORF?

(Publikum an Gasser)

Gasser: für ein Praktikum braucht man eigentlich keine mediale Erfahrung

aber um in den ORF zu kommen, ist ein Praktikum eine gute Möglichkeit



Was genau machen Sie eigentlich beim ORF?

(Publikum an Gasser)

Gasser: arbeitet in der Kulturredaktion des Fernsehens

liest Bücher, versucht diese in die Sendungen zu kriegen
Sendungen: A.viso, lebens.art


Waren Sie bei Ö1 auch schon im Kulturbereich tätig?

Gasser: Ja, zuerst Feature-bereich, dann "Ex libris"

war aber nicht sehr geradlinig, vieles passierte zufällig



Brandtner: Nachtrag zur Bibliothekarsausbildung

Brandnter: Link auf der UB-Seite zu allen relevanten Infos - ULG Library and Information Studies

individuelle Fragen per Mail persönlich an Andreas Brandnter



Haben Sie Ihre Praktika über Ausschreibungen oder per Initiativbewerbung gefunden?

(Publikum an Gasser)

Gasser: im ORF nicht jede Stelle über Beziehungen

sie bewarb sich bei Kulturredaktion als Praktikantin
unterschiedliche Formen möglich, Dauer z.B. 1-monatig, 4-monatig etc.



Haben Sie eine Empfehlung für die Organisation von Auslandssemestern oder Praktika?

(Publikum an Brandnter und Gasser)

Brandtner: damals auch Stipendien für 3 Monate möglich

kann nicht sagen, wie das heute ist


Gasser: war damals mit dem Erasmus-Programm in London

hat sich so ergeben, aber kein Studienjahr im Ausland ist ein verlorgenes Jahr, war eine schöne Zeit, wenn auch z.T anstrengend


StV (Veronika Helfert): Hinweis auf das Büro für internationale Beziehungen (Programm für Auslandssemester: Mobilität für Studierende)


Wissen Sie, ob es im Kunsthistorischen Museum Praktika-Plätze gibt?

(Publikum an Lettner)

Lettner: gibt es nicht, ihre Stelle ist die einzige dieser Art

wenige Museen leisten sich Ausstellungen, meist eher Werkverträge statt Anstellungen
Bild- und Sprachwissen an sich aber gute Kombination (Germanistik/Kunstgeschichte)
Praktika gibt es für Germanisten in der Bibliothek des KHM



Wie stehen Sie heute zum Begriff "Karriere"?

(StV an Brandtner)

Brandtner: war in seiner Jugend ideologisch sehr aufgeladen

Sport zu treiben bedeutete fast schon, ein halber Faschist zu sein
heute denkt er darüber, dass man dazu über zwei Wege kommt:
  1. Zufall, Gunst der Stunde, Glück
  2. Kompetenz, Selbstprofessionalisierung
Als er erkannte, dass er doch Karriere machen will, setzte er auf Punkt zwei
bei Bewerbungsgesprächen ist professioneller Auftritt wichtig, beim Öffnen der Tür und Hinsetzen schon können die Bewerber verloren haben
er selbst lebt für seinen Beruf, und wichtig ist, dass seine Familie da auch mitmacht
Professionalisierung ist wichtig, da man die Gelegenheiten auch nutzen können muss
wenn man nur Glück aber nicht die Fähigkeit sich zu präsentieren hat, bringt es nichts


Wie sieht das aus, wenn man richtig durch die Tür geht?
(Publikum an Brandtner)

Brandnter: man solle Wifi-Kurse machen, Weiterbildungen, Sprechausbildungen etc.
Gasser: hat oft Praktikanten im Sommer, die sich gut verkaufen, dann aber überhaupt kein Interesse für die Welt haben

z.B. nicht wissen, dass gerade Wahlen in Frankreich sind und sich auch nicht ein bisschen dafür interessieren
das findet sie weit schlimmer, als wenn jemand nicht weiß, wie er sich verkaufen kann


Lettner: stimmt Gasser zu, dass selbstbewusstes Auftreten für sie sekundär ist

zumindest hinter dem Interesse für tagesaktuelles Geschehen


Brandtner: Zusatz: Motivation muss klar da sein

aber professionelles Auftreten gehört dazu


Gasser: für sie sind Wahlen in Frankreich trotzdem wichtiger
Brandtner: das liegt an der Arbeit in unterschiedlichen Institutionen (ORF vs. UB)

Braucht man für die Arbeit beim ORF eine Sprechausbildung?

(Publikum an Gasser)

Gasser: ORF macht Sprachtests bevor man Sprecher oder Redakteur werden kann


Abschluss

StV
erinnert an die ÖH-Wahlen vom 22.-24. Mai 2007
nennt Programm der nächsten Wochen, z.B. ZeitzeugInnen-Gespräche zum spanischen Bürgerkrieg
Günther Stocker
  • Dank an die Gäste
Perspektiven fürs Germanistik-Studium
  • wichtiger, dass man etwas kann, zu sagen hat während des Studiums
Speed kills - niemand fragt, wie schnell man studiert hat, besser interessante Dinge gemacht zu haben währenddessen
es hat auch niemand der Gäste das Studium in Mindeststudiendauer abgeschlossen


Frage nach Fortsetzung im Herbst, wer wiederkommen würde

wird einen größeren Hörsaal organisieren bis dahin

Abschlusssatz:

Wer weiß, wenn wir in zehn Jahren diese Veranstaltung noch immer machen, ob Sie dann nicht vielleicht auf der anderen Seite des Tisches sitzen.


Vortrag Berufsperspektiven 27-03-07

Einleitung durch Günther Stocker
für Germanisten gibt es kein konkretes Berufsbild, ihnen wird eher breite Bildungsbasis vermittelt
viele Wege müssen selbstständig gefunden werden
Primärer Inhalt der Vortragsreihe:
Wie sind die Vortragenden zu ihren Berufen gekommen?
Reflexionsprozess: Welche Berufsvorstellungen kann ein Germanist haben?
Verhältnis von Bildung zu Ausbildung




Vorträge der Gäste

Mag. Irmgard Harrer (Ueberreuter Verlag/Annette Betz Verlag)

Programmleiterin Lektorat für div. Teilbereiche, u.a. Kinder- und Jugendliteratur

Ueberreuter größter Verlag Österreichs, 85. Platz unter den 16.000 dt.sprachigen Verlagen

breite Palette an Konkurrenten, 85 Leute in der Alser Straße im Salzerhof
Umsatz: 25 Mio EUR pro Jahr
5 Mitarbeiter unter ihrer Programmleitung
Hauptmarkt: Deutschland (Bsp. Kinderbuch: D 70 %, Ö 30 %)

Berufsbild - Programmleiterin Lektorat;

Text im Mittelpunkt, Entwicklung von Ideen mit Autor

andere Bereiche: Werbung, Buchhaltung etc.

Zusammenarbeit mit Illustratoren, Übersetzern, Autoren u.A.

auch Marktrecherchen, welche Bücher können sich gut verkaufen?
Lektorat primär Inhalt, Form, Kohärenz, Länge etc.
immer in enger Absprache mit den Autoren
viel per Mail und Telefon, Druck erst nach ausdrücklicher Zustimmung


auch Verkehrsseite wichtig: Was tut sich bei anderen Verlagen?

Welche Trends kann man setzen?
Welche Bücher erscheinen gerade in anderen Verlagen?

Vertrauenspersonen des Autors einerseits

persönlich genommene Kritik andererseits
Feuilletons neigen dazu, Fehler Lektoren anzulasten, Genialität dem Autor zuzuschreiben

Zuständigkeiten
  1. Schaffung der endgültigen Textgestalt
  2. kommerzielle Seite
Vertragsverhandlungen mit dem Autor
Titel, Cover etc. - ist das so verkaufbar?
schwierige Coverdiskussionen
Bei beigelegten Hörbüchern Rechte an Musik prüfen, Zusammenarbeit mit Sprechern

tatsächlich marktorientierte Strategen, nicht bezahlte Leser!

wirtschaftlicher Aspekt für diesen Job zentral

Bücher, die Literaturpreise bekommen, verkaufen sich schlechter

Werdegang

Hat HAK gemacht - kann Buchhaltung etc.
Hat zuerst in Praktikum bei Programmgestaltung ORF Rundfunk mitgearbeitet
Danach akademischer Trainee bei NPO
Für ausgeschriebenen Job beworben, hatte zuerst überlegt, Diss. zumachen

Chefin hätte sie als Dr. nicht eingestellt
war eine kleine Sekretärsstelle
später Lektorat Sachbuch, dann wurden Stellen frei und es folgte Learning by Doing

Empfehlung
Praktika!
  • Anzeiger für Buchhandel in Ö, monatlich
  • Börsenblatt für Buchhandel in D, wöchtentlich, auch im I-net
gute Brancheninfo, Hintergründe


Mag. Hannes Martschin (Martschin & Partner GmbH. - Werbung/PR/Neue Medien)

Selbstständig, Werbe- und PR-Agentur, zwei getrennte Bereiche

jetzt immer mehr Full-Service-Agenturen, arbeitet mit Fixteam und mit vielen Freelancern

nicht spezialisiert, z.T. öffentl. Bereich (Bsp. Ministerien), aber auch für viele Unternehmen, z.B. im Bio-Bereich

Markt als Verdrängungswettbewerb

Werdegang

Germanistik und Philosophie, Psychologie, Pädagogik, wollte aber nicht Lehrer werden

Lebensthema: Kommunikation
begann als Freelancer-Texter in Agenturen
dann Angestellter in PR-Agentur

als Selbstständiger andere Arbeit als ein Angestellter

macht viele Dinge selbst, unternehmerische Allround-Arbeitseinstellung
sehr wichtig: keinen falschen Stolz zu haben
Studium abgeschlosssen
parallel dazu am Konservatorium klassische Gitarre studiert
war immer Werkstudent, hat sich ganzes Studium selbst zu finanziert
arbeitete als Gastlektor für deutsche Kultur und Literatur in den USA
begann danach auch in Ö als Lektor an Uni zu arbeiten
Kommunikation: Lernen am Job

PR andere Struktur, Studienabschlüsse und auch Germanisten sehr gerne gesehen

Germ. können gut wissenschaftlich arbeiten = Chaos ordnen

Werbung: Abschlüsse, Titel "klassische" Ausbildungen weniger wichtig. Das Know-how zählt.

Dr. Brigitte Ortner (Österreich-Institut)

Leiterin eines internationalen Unternehmens = Österreich Insitut (DaF)

studierte Germanistik und Anglistik Lehramt, arbeitete auch als Lehrerin

Berufsbild Leiterin des Österreich-Instituts

primär nur Dinge, die peripher mit Germ. zu tun haben

errichten im Ausland Stellen, die Ö-spezifische DaF-Kurse anbieten
65.000 Deutschstunden jährlich, ca. 1.000 Kurse
140-150 Personen an unterschiedlichen Stellen

Aufgaben

Leiterin der Zentrale in Wien:

Entwicklung neuer Kursformen; v.a. Methodik, Didaktik
Bilanzen lesen; hat sie sich ohne HAK zu besuchen selbstständig erarbeitet
führt das Personal
verhandelt mit Anwälten
konsultiert Werbekampagnen
schreibt Budget und vertritt es vor dem Aufsichtsrat, kämpft um Mittel

Was hat sie aus dem Studium für sich mitgenommen?
  • Auseinandersetzung mit Sprache
  • Texte gerne zu lesen
  • systematisch Nachzudenken / Analysieren
  • logisches Denken, wie man Gedanken zu Ende bringt
  • Freunde und Vertraute aus dem Studium

Fragen an die Vortragenden

Wie steigt man am besten in die PR-Branche ein?

(Publikumsfrage an Martschin)

Martschin: Praktikum, erster Einstieg, sehr mühsam PR-Verband Austria, am besten dort per Blindbewerbung


Wie kommen Verlage zu ihren Autoren?

(Publikumsfrage an Harrer)

Harrer: Grob erklärt acht Wege:

  • Alteingesessene
  • eingeschickte Manuskripte werden tatsächlich gelesen, Exposé schicken reicht, auch Preise ausgeschrieben
  • Lizenzeinkauf von fremdsprachlichen Werken
  • literarische Agenturen - Autor muss sich nicht selbst um Verlag kümmern
  • Suchen von Fachleuten für Fachliteratur
  • Wo kann man einen Trend setzen?
  • Abwerben von anderen Verlagen
  • [fehlt]
Ist die Arbeit mit einer Agentur ein Qualitätskriterium?
Nur bedingt.


Wenn Sie noch einmal studieren würden, was würden Sie anders machen?

(StV an alle drei Vortragenden)

Harrer: als Zweitfach eher Anglistik und Nederlandistik statt Spanisch

Studium bringt logisches, strukturiertes Denken
Autor hat Respekt vor Germanisten
hätte mehr Praktika gemacht, v.a. auch in anderen Bereichen - Was machen die so?


Martschin: Wieder Germ und PPP

mehr Praktika
anderes Instrument als klass. Gitarre - Kontrabass


Ortner: Weiß nicht, ob wieder Germ

kann sich nicht zurückversetzen
würde mehr lesen
mehr in Arbeitsgruppen zusammensitzen
abends im Votivcafé Texte diskutieren



Woher würden Sie die Zeit nehmen, Praktika zu machen? Ist ein schneller Abschluss oder die Praktika wichtiger?

(StV an Harrer und Martschin)

Harrer: sucht bei Bewerbern nach Interessen

Was hat die Person bisher alles gemacht


Martschin: Zielgerichtet oder bunt?

er hätte sich bunt ausgesucht



Ist Lehramt/Diplom ein Kriterium bei der Auswahl der Bewerber?

(Publikum an alle drei Vortragenden)

Harrer: kein Unterschied
Martschin: Kaum Unterschied, eher Neid bei Diplom-Studenten
Ortner: Wichtig: Sehr gutes Fachwissen in einem Gebiet

für Sie DaF, ansonsten entscheidet die Persönlichkeit im Bewerbungsgespräch



Zum Bakkalaureat: Können Sie sich vorstellen, dass Bakk.-Abschlüsse gefragt sein werden?

(Stocker an alle drei Vortragenden)

Ortner: Eher nein. Wenn es um den Abschluss geht, dann ist Bakk. okay

bei Schwerpunkt DaF würde Master wohl die Wichtigkeit verlieren
Höchstens das Alter wäre ausschlaggebend für Master, aber sie würde eher Bakk. einstellen


Martschin: für die Werbung ganz egal, auch kein Abschluss reicht

für PR aber wird es nicht genügen


Harrer: kann es nicht beurteilen


Wie sieht das Berufsbild in Werbung und PR konkret aus?

(Publikum an Martschin)

Martschin: Full Service - Newsletter Pressekonferenzen, Werbeplakate etc.

Verschiedene Etats z.B. Wald PR


  • Wettbewerb ja oder nein? Wie soll dieser aussehen?
  • Suche nach Kooperationspartnern
  • Grundidee entwerfen, präsentieren
  • viel Textarbeit
  • großer Unterschied zwischen kleinen und großen Strukturen
    • große: wenig Verantwortung, spezialisiertere Arbeit
    • kleine: viel Unterschiedliches
Stunden pro Arbeitswoche?

Martschin: hätte er nie gezählt, aber sicher mehr als 50-60, ev. auch mehr als 70


Was fällt an Bewerbungen besonders positiv auf?

(Publikum an alle drei Vortragenden)

Ortner: muss kompakt sein, mit Schiene, bevorzugt Foto auf Titelblatt

strukturiert geschrieben, keine fliegenden Zettel
primär: Motivation
sekundär: Was kann die Person?
tertiär: Welche Erwartungen hat sie?
Bewerbung muss auch optisch passen
für Ortner bevorzugt per Post statt per Mail


Martschin:Viel per Mail - am besten ankündigen noch postalisch zu schicken

muss selbstverständlich fehlerfrei sein, da Germ.
Angabe von Referenzen


Harrer: bevorzugt ausgedruckt

schaut auch auf Angaben, was die Person zum Unternehmen beitragen kann
muss Antwort auf diese Frage beinhalten: Wieso gerade dieses Unternehmen?


Foto ist wichtig?
(StV an alle drei Vortragenden)

Einstimmig: Ja.

Wie sollte die Form der Bewerbung aussehen?
(Publikum)

Harrer: e-Mail mit nur 4 Zeilen, Rest in einem PDF

Sind Zeugnisse wichtig?
(Publikum an alle drei Vortragenden)

Ortner: eher dann im Gespräch, wenn auffallend schlechte Noten dabei sind
Martschin: schaut schon auf Zeugnisse

Welche Qualitäten hat die Person


Harrer: nur das Abschlusszeugnis, selbst das kaum

eher Zeugnisse von Praktika


Was fällt an Bewerbungen besonders negativ auf?

Ortner: kommt auf die Stelle an

Bsp.: Institutsleiter mit Publikationsliste zu ÄdL
also ein Fachgebiet, das mit dem Job nichts zu tun hat = hat in Bewerbung nichts zu suchen
zeigen, dass man sich mit dem Unternehmen auseinander gesetzt hat!
Kann mich das Angegebene qualifizieren für diesen Job?
kein Problem, wenn etwas anderes gemacht, aber nicht angeben


Harrer: keinen Lebenslauf im Motivationsschreiben

in diesem eher:


  • Was bringe ich für das Unternehmen mit?
  • Warum will ich gerade in dieses Unternehmen?

Martschin: kein Kompetenzjunk

Lebenslauf so knapp wie möglich
keine 'witzigen' Bewerbungen
keine aufgebauschten Kompetenzen
je kompetenter eine Bewerbung, desto kürzer ist sie in der Regel


Harrer: witzig ist ganz schlecht, Fehler auch schrecklich

Was ist witzig?
(Publikum)

Harrer: z.B. Smileys = unpassend!


Ist die Kombination mit wirtschaftlich orientierten Fächern wichtig?

(Publikum an alle drei Vortragenden)

einstimmig: Ja.
Ortner: Es ist aber auch alles später noch erlernbar
Harrer: oft hat man einen Weg vor sich, bei dem man viel mitnehmen kann

Voraussetzung ist es aber nicht


Ortner: Hinweis: nicht zu groß anfangen

lieber mal anfangen und keine leitenden Stellen zu Beginn, auch nach Studienabschluss
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